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Allein mit Pferd spazieren gehen? 5 ungewöhnliche Strategien, wenn dein Pferd sich nicht vom Hof führen lässt

Wieso lässt sich dein Pferd nicht vom Hof führen? Warum weigert sich dein Pferd auf Spaziergängen, weiterzugehen?

Im letzten Beitrag zu diesen Fragen, haben wir vier Ursachen für dieses Verhalten besprochen, die selten berücksichtigt werden:

Zu diesem Beitrag geht es hier entlang: Wieso dein Pferd sich nicht vom Hof führen lässt – 4 Gründe, an die du noch nicht gedacht hast

Wir sind zu diesem Fazit gekommen:

1. Deine Aufgabe: Deinem Pferd beweisen, dass Spaziergänge eine coole Sache sind.
2. Das Ziel der ersten Übungseinheiten: Positive Erfahrungen für dein Pferd zu erschaffen. Dass es sich draußen mit dir wohlfühlt.

Heute geht es darum, wie du genau das schaffen kannst:
 

Wie dein Pferd lernt, dass es sicher ist, mit dir von der Herde wegzugehen.

 
Der Plan umfasst fünf Punkte. Entscheidend ist, dass du all diese Punkte zugleich umsetzt. Nicht einen nach dem anderen!

Beachte außerdem, dass ich hier nur von den allerersten Schritten im Prozess spreche. Dieses Vorgehen hilft dir nur bei dem allerersten Teilziel auf dem Weg zu einem Pferd, dass dir vertrauensvoll und selbstsicher vom Hof folgt.
 
 

1. Erwartungen und Anforderungen runterschrauben, wenn dein Pferd an der Herde klebt

Es geht bei den ersten Schritten NICHT darum, dass du bekommst, was du dir wünschst.

Es geht überhaupt nicht um dich.
 

Es geht um dein Pferd.

 
Darum, dass dein Pferd dir mit einem guten Gefühl von der Herde weg folgen kann. Darum, dass dein Pferd ein Erfolgserlebnis hat.

Was passiert, wenn du zu hohe Erwartungen hast?

Sie bringen dich dazu etwas einzufordern, wozu dein Pferd noch nicht bereit ist. Du enttäuschst das Vertrauen deines Pferdes. Es wird immer schwieriger, dein Pferd zu überzeugen, mit dir von der Herde wegzugehen.

 

Deshalb: Setze deine Erwartungen auf Null.

 
 

Wie du deine Erwartungen auf Null setzt, damit dein Pferd dir vertrauensvoll vom Hof folgen kann

Ich habe einen einfachen Trick für dich.

Schritt 1: Stell dir vor, was das “schlechteste” Verhalten ist, das dein Pferd an den Tag legen könnte.

Auf welche “blödeste” Art könnte dein Pferd sich verhalten, wenn du mit ihm spazieren gehen willst? Wie würde es sich im ungünstigsten Fall verhalten?

Schritt 2: Stell dich darauf ein, dass dein Pferd sich so verhalten wird.

Yess, der Schlüssel um keine zu hohen Erwartungen zu haben ist, negative Erwartungen zu haben 🗝. Damit negative Erwartungen dich nicht lähmen, musst du wissen, WIE du damit umgehen wirst, wenn dein Pferd sich so verhält.

Schritt 3: Erstelle einen Worst-Behavior-Handlingsplan.

Überlege haarklein, wie du damit umgehen wirst, wenn dein Pferd sich so verhält.

Wenn es ständig stehenbleibt. Rumtänzelt. Sich von allem ablenken lässt. Einfriert…

Was wirst du tun?
Wie wirst du das lösen?

Strategien dazu zeige ich dir in den nächsten Abschnitten.

 🧚🏻Hierzu noch ein wichtiger Extratipp:

Überlege auch, mit welcher INNEREN HALTUNG du reagieren wirst.

Was für Gedanken wirst du haben?
Mit welchen Gefühlen wirst du der Situation begegnen?

Enttäuschung ist hier fehl am Platz (und unwahrscheinlich, wenn du deine Erwartungen auf Null gesetzt hast). Etabliere Ruhe in dir selbst, kultiviere Gelassenheit und Humor. Du bist dir deiner Sache sicher, wenn du mit deinem Pferd vom Stall weggehen willst. Das darfst du auch ausstrahlen.
 

Egal wie schwer deinem Pferd die Aufgabe noch fällt, du glaubst an euch.

 
 

Die allerkleinste Anforderung – Dein Pferd erfolgreich von der Herde wegführen

Beobachte gerade in der ersten Trainingseinheit, ab wann es für dein Pferd schwer wird:

Wo steigt die Anspannung?
Wo spürst du Widerstand in deinem Pferd aufkommen?

❌ Meide diesen Punkt!

Geht nicht an diesen Widerstand, bevor dein Pferd einen Vorrat an positiven Emotionen in Bezug aufs Verlassen der Herde aufgebaut hat 🌿.

Schraub also auch die praktischen Anforderungen nochmal runter.

Okay. Aber wo genau fängst du dann damit an, mit deinem Pferd spazieren zu gehen?
 
 

2. Von der Herde oder dem Stall entfernen – Aber immer in der Komfortzone des Pferdes

Ganz einfach:
 

In der Komfortzone deines Pferdes.

 
Jetzt geht es ganz ums gute Gefühl. Also halte dich mit deinem Pferd da auf, wo es sich noch gut fühlt!

Leg dazu deinen Fokus zu mindestens 90% auf dein Pferd und dessen Bedürfnisse. Nimm dich selbst für diese Aufgabe ganz zurück.

Dieses Vorgehen hat drei Vorteile gegenüber Trainingsansätzen, bei denen du dich durchsetzen und dein Pferd zur Gehorsamkeit erziehen würdest.
 
 

Vorteil 1: Entwicklung INNERHALB der Komfortzone

Es ist ein Mythos, dass Entwicklung nur außerhalb der Komfortzone stattfinden kann.

Du kannst mit deinem Pferd ebenso innerhalb eurer Wohlfühlzone wichtige Bausteine erarbeiten. Diese Bausteine braucht ihr ohnehin später, wenn ihr euch an eure Grenzen rantastet. Alles andere ist leichtsinnig und wenig erfolgsversprechend.

Um dein Pferd nicht bis an den Rand seiner Komfortzone zu treiben, kultiviere diesen Gedanken:

“Ach super, das reicht mir schon! 👏”

Sprichs laut aus, wann immer dein Pferd ein klitzekleines bisschen von dem macht, wohin ihr euch entwickeln wollt.

Zusatztipp: Dreh den Spieß um: Wenn du merkst, dass dein Pferd gern noch weiter weggehen würde, nimm eine Haltung von “Och nee, ich würde lieber umdrehen…” ein.

Deine innere Haltung ist der Schlüssel.

Aber wieso ist das so kraftvoll?
 
 

Vorteil 2: Innerer Widerstand deines Pferdes wird abgebaut → Wohlgefühl entsteht

Wenn du die beschriebene innere Haltung einnimmst (“Hey, so viel braucht es doch gar nicht! Reicht schon!”), erschaffst du für dein Pferd Erfolgserlebnisse.

Ganz entscheidend dabei: Du bietest deinem Pferd nichts, wogegen es überhaupt Widerstand leisten könnte.

⇢ du drängst es nicht dazu, sich weiter vom Stall zu entfernen als es will
⇢ du zwingst es nicht an Gegenständen oder Orten vorbeizugehen, die es ängstigen
⇢ du schränkst es nicht mehr als nötig in seiner natürlichen Bewegung oder seinen eigenen Interessen ein

Dadurch wird es für dein Pferd ganz leicht, sich bei dir wohlzufühlen. Sobald Wohlgefühl entsteht, hast du erfolgreich innere Widerstände deines Pferdes abgebaut.

Sehr gut!
 
 

Vorteil 3: Das Sicherheitsbedürfnis deines Pferdes ist erfüllt

Haltet ihr euch in der Komfortzone deines Pferdes auf, ist sein Sicherheitsbedürfnis gestillt. Und zwar OHNE dass ihr als Team aktiv für Sicherheit sorgen müsst.

Das bedeutet: Ihr könnt entspannt positive Erfahrungen sammeln, bevor ihr gemeinsam über euch hinauswachst. Bevor ihr wirkliche Hürden (Gruselstellen, Nervosität, Interessenkonflikte…) meistern müsst.

Aber nicht nur das Bedürfnis nach Sicherheit solltest du beachten, wenn du mit deinem Pferd spazieren gehen willst.
 
 

3. Die ersten Spaziergänge zur positiven Erfahrung machen – Mit den Ideen des Pferdes gehen

Mit den Ideen des Pferdes gehen – das ist der Satz, mit dem ich mich immer wieder daran erinnere, dass die Interaktion auch Raum für das bieten muss, was meinem Pferd wichtig ist. Wenn es um erste Erfolgserlebnisse und Motivation geht, ganz besonders!

Wie du das konkret umsetzt ist Teil der Bedürfnisorientierung.
 
 

Bedürfnisorientierung beim Spazierengehen mit Pferden verstehen

Der erste Aspekt der Bedürfnisorientierung besteht darin, Grundbedürfnisse zu stillen.
Das ist kein Teil des Trainings, sondern sollte durch die Lebensbedingungen (Haltung) sichergestellt sein.

Es ist unfair, Anforderungen und Erwartungen ans Pferd zu stellen, wenn Grundbedürfnisse nicht gestillt sind. Es wird deinem Pferd deutlich schwerer fallen, sich zu konzentrieren.

Zu den Grundbedürfnissen zählen:

  • Bewegung
  • Sozialkontakt
  • Erholung/Ruhe
  • Futter
  • Gesundheit

Der zweite Aspekt in der Bedürfnisorientierung ist entscheidend. Und zwar dann, wenn es darum geht, dein Pferd von der Herde weg zu führen:
 

Orientiere dich an akuten Bedürfnissen deines Pferdes.

 
Akute Bedürfnisse betreffen immer den jeweiligen Moment.

Was ist deinem Pferd JETZT GERADE wichtig?
Was will dein Pferd jetzt gerade gern tun?

Im nächsten Augenblick kann das schon wieder ganz anders aussehen. Akute Bedürfnisse sind Wünsche, Ideen und Ziele deines Pferdes, die sich mit der Situation und seinem Fokus verändern.
 
 

Was sind typische Bedürfnisse deines Pferdes, wenn es darum geht, vom Stall wegzugehen?

Beobachte dein Pferd genau und erkenne, was es jetzt gerade tun will. Das reicht aber nicht.

Du musst auch verstehen, was dein Pferd mit diesem Verhalten erreichen will!

Was dein Pferd bezwecken will, ist nicht immer offensichtlich. Es kann z.B. fressen wollen, aber nicht weil es Hunger hat, sondern um sich bei Stress zu beruhigen.

Deine Aufgabe: Deinem Pferd dabei helfen, sein Ziel auf einem Weg zu erreichen, der für euch beide gangbar ist. Dazu musst du das Ziel erstmal erkennen.

Typische Ziele des Pferdes bei der Aufgabe, von der Herde und dem Stall wegzugehen, sind Folgende:

  • Außenreize einordnen und verarbeiten
  • Nervensystem beruhigen, Stress abbauen
  • einen sicheren Ort aufsuchen
  • sich von einem beängstigenden Ort wegbewegen

Um diese Punkte geht es jetzt aber noch nicht. Denn, wir erinnern uns: Für die ersten Trainingseinheiten bleibt ihr innerhalb der Komfortzone deines Pferdes.

Die Frage lautet eher:

Was sind typische Ziele deines Pferdes, wenn ihr euch außerhalb des Paddocks/der Weide miteinander aufhaltet?

  • Futtersuche – Futter finden, das besser schmeckt als das, was dein Pferd sonst bekommt
  • die Umwelt erkunden – Dinge anschauen, untersuchen, einordnen
  • wenn ihr euch von der Herde wegbewegt: zur Herde zurückkehren

 
 

Was machst du mit diesen Zielen, wenn du dein Pferd von der Herde wegführen möchtest?

Dein Pferd zeigt dir, welchen Ideen und Ziele es gerade gern nachgehen würde, z.B. indem es etwas anschaut, stehen bleibt oder irgendwo hingehen möchte.

Versuche, möglichst oft Ja zu diesen Ideen zu sagen. Das funktioniert nicht immer – du kannst dein Pferd schlecht den Vorgarten der Nachbarn plündern lassen. Aber es funktioniert sehr oft, wenn du dich darauf konzentrierst.

⚠️ Aber Achtung! Es geht nicht darum, dein Pferd einfach machen zu lassen. Du sollst NICHT nur am Ende des Stricks hängen, während dein Pferd lustig die Welt erkundet. Das wäre auf richtigen Spaziergängen ultragefährlich!

Also lass uns jetzt darüber sprechen, wie du durch Bedürfnisorientierung eine Grundlage für sichere Spaziergänge schaffst.
 
 

4. Währenddessen: Nicht einfach das Pferd machen lassen, sondern feine Kommunikation aufbauen – Über Ideen kommunizieren

Bedürfnisorientierung sorgt dann für Sicherheit auf Spaziergängen mit deinem Pferd, wenn du sie an Kommunikation koppelst.

Dazu machst du die folgenden Schritte:

Schritt 1: Erkenne, welche Ideen dein Pferd hat:

Was will es sich näher anschauen?
Wo will es hingehen?
Wo möchte es grasen?
Wann wird es stehenbleiben wollen?

Profitipp 🤓: Versuche, die nächste Idee deines Pferdes vorherzusehen, BEVOR dein Pferd sie ausführt! So kannst du deinem Pferd aktiv das vorschlagen, was es eh machen will. Du beweist deinem Pferd, dass du gute Ideen hast. Schwierig, aber es lohnt sich zu üben.

Schritt 2: Kopple die Ideen deines Pferdes an eure Kommunikation.

Du lässt dein Pferd nicht einfach machen. Wenn dein Pferd einfach losgeht, hältst du es nochmal an. Will es einfach ins Gras abtauchen, unterbrichst du es in seinem Verhalten.

Sobald dein Pferd aber mit seiner Aufmerksamkeit bei dir ist, schlägst du AKTIV das vor, was dein Pferd machen wollte/will.

Das Ergebnis:
 

Dein Pferd lernt, dass es sich lohnt, die Verbindung mit dir zu suchen.

 
Bevor das nicht flüssig klappt, solltet ihr euch nicht weiter vom Hof entfernen. Denn Kommunikation und Verbindung ist der wichtigste Punkt, wenn es um Sicherheit auf Spaziergängen geht.
 
 

5. Den Rückweg verfügbar machen – aber über Kommunikation

Wenn du an den Grundlagen für Spaziergänge übst, behalte eines im Kopf:

Es geht nicht darum, eine ganze Runde zu gehen. Wichtig ist, dass dein Pferd sich mit dir draußen aufhält und sich dabei wohl fühlt.

So selbstverständlich, wie ihr euch die ersten Schritte von der Herde entfernt, so selbstverständlich sollt ihr auch zurückkehren.

Dreh also locker um, sobald du den Eindruck hast, dass es deinem Pferd damit besser gehen würde, eine Pause zu machen oder einfach wieder näher bei der Herde zu sein.
 
 

Ein Extrapunkt: 6. Routine aufbauen

Im letzten Artikel habe ich die Waage mit den positiven und negativen Erfahrungen beschrieben.

Willst du die Schale mit den positiven Erfahrungen schwerer machen, braucht es anfangs erfolgreiche Einheiten, die relativ dicht aufeinander folgen.

Warum?

Liegen zu große zeitliche Abstände zwischen den Einheiten, hat dein Pferd bei der nächsten Einheit sein positives Erlebnis vom letzten Mal schon wieder vergessen. Ihr startet erneut bei Null.
 
 

Fazit: Worauf es ankommt

Du siehst: Allein der erste Schritt im Prozess beinhaltet eine Vielzahl von Aspekten. Dein Pferd soll nicht einfach irgendwie mitkommen. Es soll sich dabei richtig gut fühlen (denn dieses Gefühl brauchst du, um später eure Komfortzone auszuweiten!). Dafür ist es entscheidend, dass du ALL diese Punkte beachtest.
 

Wenn du das Thema Spaziergänge meistern willst, ohne dabei 10 Umwege zu machen, sieh dich bei unseren 2:1-Angeboten um oder komm über den Kennenlernbogen unverbindlich mit uns in Kontakt 🥾⛰🌲.

 

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