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Basics Clickertraining: Targets und Targettraining mit dem Pferd

 

  • In der Gymnastizierung den Kontakt zur Hand suchen
  • In der Freiarbeit mehr Abstand halten
  • sich für eine medizinische Behandlung an sensiblen Körperstellen wie dem Auge berühren lassen
  • an der Aufstiegshilfe einparken

Diese Aufgaben haben eins gemeinsam: Du kannst sie deinem Pferd mit einem Target beibringen.

Targets sind ein richtiges Wunderwerkzeug im sanften Pferdetraining.

Die Idee dahinter möchte ich dir heute näher bringen.
 
 

Was ist Targettraining? Was ist ein Target?

Im herkömmlichen Training werden Pferde hauptsächlich mit folgendem Prinzip ausgebildet und motiviert:

Der Mensch macht Druck (macht es dem Pferd also etwas unangenehmer) → das Pferd reagiert → der Druck lässt nach.

Willst du ohne diesen Druck auskommen? Dann brauchst du einen anderen Anreiz, damit dein Pferd aktiv wird. Hier kommt das Target ins Spiel.
 

Das Target ist ein Objekt. Dieses Objekt soll dein Pferd berühren oder sich auf es zu bewegen.

 
Wir haben das Prinzip also umgedreht: Nicht mehr “beweg dich vom Druck weg, dann hört er auf”, sondern “beweg dich zum Objekt hin und du bekommst einen Keks”.

Im Clickertraining ist Targetarbeit neben Shaping und Capturing eines von DEN drei wichtigsten Werkzeugen.
 
 

Wieso solltest du im Training mit deinem Pferd ein Target nutzen?

Targets geben dir drei Vorteile gegenüber konventionellem Pferdetraining:

1. Du kannst damit Verhalten initiieren und erklären.

Und zwar OHNE deinem Pferd erst unangenehm werden zu müssen. Ohne Druck. Wenn du den Hufschlag zum Target machst, musst du dein Pferd nicht mit der Peitsche an der Longe rausschicken.

2. Targets lenken den Fokus des Pferdes weg vom Menschen.

Wenn du mit Futterlob arbeitest ist dein Pferd wahrscheinlich sehr auf dich konzentriert. Mithilfe von Targettraining lernt dein Pferd, seine Aufmerksamkeit, aber auch seinen Körper von dir zu lösen. So könnt ihr auch mit Distanz trainieren.

und

3. Targets sind eine Wunderwaffe in deinem Werkzeugkasten. Denn sie geben dir einen komplett neuen Ansatzpunkt für die Erarbeitung von Verhalten.

Mithilfe eines Targets konnte ich Nathan innerhalb von Minuten erklären, dem Kontakt am Zügel nicht auszuweichen, sondern ihn aktiv herzustellen. So lernte er in, seinen Hals lang zu machen und dabei die Oberhalsmuskulatur zu aktivieren. Auch die gymnastizierende Bodenarbeit und sogar das Reiten mit deinem Pferd kann durch Targettraining viel leichter und spaßiger werden.
 
 

DIE Frage: Wie erklärst du deinem Pferd das Target?

In drei einfachen Schritten:

1. Zeige deinem Pferd das Target.
2. Bestärke kleinschrittig die Annäherung an das Target.

3. Optional: Gib ein Signal zum Berühren (bevor dein Pferd sich in Richtung Target bewegt).

und vergiss nicht, die Anforderungen zu steigern, sobald dein Pferd seine Aufgabe verstanden hat!

Wenn du anfängst ist eines wichtig:

Click sofort den ersten Moment, in dem dein Pferd auch nur in Richtung des Targets DENKT. Verpasst du diesen Moment, schlussfolgert dein Pferd womöglich, das Target wäre unwichtig. Und bietet deshalb kein weiteres Verhalten an. Wichtig ist, dass dein Pferd überhaupt erstmal aktiv wird.

Verhalten selektieren kannst du, sobald dein Pferd dir Verhalten anbietet.
 
 

Wie das Target den Alltag mit deinem Pferd erleichtern kann

Weil es so viele Arten von Targets gibt (die du gleich noch kennenlernen wirst), kannst du sie in unheimlich vielen Situationen nutzen.

 
 

Die Möglichkeiten sind grenzenlos, aber…

Entscheidend ist nicht, dass du eine Liste an Einsatzmöglichkeiten auswendig lernst. Entscheidend ist, dass du Targets als Werkzeug wirklich verstehst. Erst dann kannst du sie kreativ und spontan einsetzen. Ohne langwierige Planung.

Verinnerliche das Prinzip:

Dein Pferd soll sich auf etwas zu bewegen. Weil sich das für dein Pferd lohnt (es Click + Keks bekommt).
 

Das Target übt einen nicht-unangenehmen Zug auf dein Pferd aus.

 
Überleg mal:

Wie kannst du dieses Prinzip für eine Aufgabe in eurem Alltag nutzen, die noch nicht so gut klappt?

 
 

Arten von Targets und wie du sie mit deinem Pferd nutzen kannst

Ich habe die verschiedenen Arten von Targets in vier Kategorien eingeteilt: Bewegliche, statische, gedachte und Körpertargets.

Hast du mit deinem Pferd schon mal mit einem Ball gespielt? Dann habt ihr bereits mit einem beweglichen Target gearbeitet.
 
 
Bewegliche Targets

Mit beweglichen Targets kannst du ganz leicht die Bewegung deines Pferdes beeinflussen:

Indem DU das Target bewegst und dein Pferd dem Target folgt.

Eine Targetart, die bei mir jedes Pferd irgendwann kennenlernt: Das Handtarget. Dabei erklärst du deinem Pferd einfach “Berühre meine Hand”. Mit welchem Körperteil es das machen soll, kannst du frei wählen.

Ein anderes sehr geniales bewegliches Target ist das Poolnudeltarget. Darüber habe ich in diesen beiden Artikeln schon geschrieben:

Bewegungsmotivation: Das Poolnudeltarget
Bodenarbeit: 6 Übungen mit dem Poolnudeltarget

Befestige einfach ein Stück Poolnudel an einer Gerte oder einer Peitsche. So kannst du auf Abstand mit deinem Pferd an seiner Bewegungsmotivation arbeiten.
 
 
Statische Targets

Statische Targets kannst du nicht mal eben bewegen. Musst du auch nicht. Denn statische Targets können dir auf zwei zusätzliche Arten helfen:
 

Ein einzelnes statisches Target wirkt wie ein Magnet.

 
Es sagt deinem Pferd: Hier ist dein Place-to-be.

Hast du deinem Pferd beigebracht, aufs Podest zu gehen? Dann hast du die Zugwirkung eines statischen Targets vielleicht auch schon erlebt. Da fangen manchmal selbst die bravsten Pferde an, den Menschen zum Target zu ziehen.

Der Pferdehänger könnte eine solche Art von statischem Target sein. Oder der Anbindebalken. Oder eine Matte oder Stange, die am Boden liegt.

Damit sind wir beim Mattentraining. Matten (und andere Gegenstände) sind cool, weil sie statisch sind, du mehrere gleichzeitig einsetzen und ihre Orte flexibel variieren kannst.

Sobald du mehrere Matten einsetzt, kannst du auch mit diesen statischen Targets Bewegung anregen. Dein Pferd bewegt sich von Matte zu Matte.
 
 
Gedachte Targets

Unter gedachten Targets fasse ich solche Zielpunkte zusammen, die du selbst und auch dein Pferd erstmal nicht direkt als Gegenstand wahrnehmen könnt. Solche Targets ergeben sich manchmal von selbst. Wenn du dir ihrer aber bewusst wirst, kannst du sie auch gezielt erarbeiten.

Ein Beispiel ist das Blicktarget nach Marlitt Wendt. Dabei lernt dein Pferd, in den Bereich hineinzulaufen, den du mit deinem Blick fokussierst. Dadurch kannst du Vorwärtsbewegung erzeugen. Ziemlich genial, oder?

Arbeitest du in der gymnastizierenden Arbeit in der frontalen Führposition, im Follow-me? Dann wirkt dein Körper als Target, dem dein Pferd folgt – auch wenn es dich nie berührt.

Der Hufschlag kann als Target dienen, ebenso wie der äußere Zügel, an den dein Pferd sich herandehnt.
 

Nahezu alles kann zum Target werden, wenn du in der Lage bist, in Targets zu DENKEN.

 
 
Körpertargets

Nicht immer soll dein Pferd das Target mit einem Körperteil berühren. Beim Blicktarget ist das zum Beispiel gar nicht möglich.

Bei Körpertargets hingegen soll dein Pferd das Target gezielt mit einem bestimmten Teil seines Körpers berühren.

Du kannst für jeden Bereich des Kopfes deines Pferdes ein Target einführen. Zum Beispiel ein Kinntarget, ein Augentarget, ein Wangentarget, ein Nasentarget, ein Ohrtarget…

Dadurch werden unter anderem medizinische Behandlungen erleichtert. Wenn du dazu mehr wissen willst, beschäftige dich mit Medical Training.

Aber auch andere Teile des Pferdekörpers kannst du mit Targets versehen. Zum Beispiel einzelne Gelenke der Beine, die Hufe, Schultern, den Widerrist.

Die Möglichkeiten sind grenzenlos, wenn du anfängst, in Targets zu denken.
 
 

Sanftheit funktioniert. Mit den passenden Werkzeugen.

Du musst dich keiner Methode (wie dem Clickertraining) verpflichten, um ein glückliches Pferd an deiner Seite zu haben.

Viel wichtiger: Dass du deinem Pferd hilfst, schwierige, aufregende oder anstrengende Aufgaben zu bewältigen.

Wie kannst du all eure Aufgaben Erfolgserlebnis machen?

Wie kannst du so schnell wie möglich ein gutes Gefühl in deinem Pferd und in dir erschaffen?

Dazu braucht es mehr als eine Schema F.

Es braucht kreative Ansätze, die genau zu dir und der Einzigartigkeit deines Pferdes passen. Es ist unsere Lieblingsarbeit, diese Ansätze für jedes Pferd-Mensch-Paar zu finden 🌿.

Weil ein sanfter Umgang auf Augenhöhe immer eines braucht: Raum für Individualität.
 

Wenn dich interessiert, wie wir dich unterstützen können, kannst du hier in unseren Angeboten stöbern.

 

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