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Bodenarbeit Jungpferd: 5 erste Übungen für eine klare Kommunikation

In der Bodenarbeit mit deinem Jungpferd geht es um ein großes Ziel:
 

Eine klare Kommunikation aufzubauen.

 
Eine Kommunikation mit der ihr jede nächste Hürde mit Leichtigkeit und vor allem in Verbindung nehmt.

Heute habe ich 5 erste Übungen für die Bodenarbeit mit deinem Jungpferd für dich. Mit diesen Bodenarbeitsübungen erarbeitest du ganz leicht eine klare und sanfte Kommunikation.

Ein liebevoller Dialog zwischen dir und deinem Jungpferd ist der Schlüssel für einen harmonischen Alltag. Besonders in kniffligen Situation – Hufbearbeitung, an einen neuen Ort führen, medizinische Behandlungen, etc. – die du vorher nicht konkret üben konntest.
 
 

Bevor du mit den ersten Übungen in die Bodenarbeit mit deinem Jungpferd startest

Mehr noch als bei erwachsenen Pferden, geht es beim Jungpferd in der Bodenarbeit weniger um das Verhalten an sich und viel mehr um die inneren Prozesse, die das Verhalten ermöglichen.

Dazu ein Beispiel:

Steht dein Jungpferd am Anbinder still da? Wenn ja, kann dieses Verhalten aus ganz verschiedenen Quellen erwachsen 👇

  • Furcht vor Strafe – geschlagen werden, wenn man rumhampelt
  • aufgegeben haben – erlernte Hilflosigkeit, weil alles Rumhampeln nicht hilft, um dem gefangen-Sein zu entkommen
  • innere Ruhe/Entspannung, weil dein Pferd verstanden hat, dass es gerade am angenehmsten ist, einfach locker da zu stehen und es keine andere Aufgabe gibt (und dein Pferd sich sicher und wohl fühlt)
  • konzentriertes Stillhalten in Erwartung einer Belohnung

Ich möchte dich deshalb bei allen Übungen, die du mit deinem jungen Pferd in der Bodenarbeit machst, anhalten zu hinterfragen:

✍️ Was lernt dein Pferd über das Verhalten hinausgehend aus dieser Erfahrung?

Lernt es, sich zu entspannen oder anzuspannen? Nachzudenken und sich Zeit zu lassen oder schnell zu reagieren? Zuzuhören oder anzubieten? Zu gehorchen oder zu kommunizieren?

Nicht alles schließt sich gegenseitig aus. Aber oft legen wir unbewusst den Fokus auf eine dieser Möglichkeiten, statt die Vielfalt der inneren Ressourcen des Jungpferdes zu fördern.
 
 

1. Frage & Antwort – Eine Übung, mit der dein Jungpferd lernt, mit dir über Alltagsaufgaben zu kommunizieren

Als erstes möchte ich, dass das Jungpferd lernt, konstruktiv mit Aufgaben und Kommunikationsanfragen, umzugehen.
Das bedeutet:

  1. Eine Aufgabe/Frage als solche zu erkennen.
  2. In Ruhe über die Anfrage nachzudenken.
  3. Eine Antwort zu geben – also darauf zu reagieren.
  4. Und zu verstehen, ob die Reaktion gewünscht war und es sich danach wieder entspannt zurücklehnen kann oder die Kommunikation noch weitergeht.

Hier geht es auch darum, dass du dir als Guide deines Jungpferdes durch die Menschenwelt bewusst wirst, dass ihr in solchen Frage-Antwort-Pause-Sequenzen miteinander interagiert. Dein Pferd muss nicht in 100% der Zeit zu 100% bei dir sein.

Aber es muss erkennen, wenn du etwas von ihm möchtest und darauf reagieren. Und zwar möglichst bedacht. Und sich danach eben wieder entspannen können.

👉 Du kannst diesen Ansatz nutzen, um Bodenarbeitsübungen zu gestalten, die euren Alltagsaufgaben dienen.

Ein Beispiel:
 

Beine anheben

 
Nehmen wie an, du möchtest deinem Pferd das Hufe geben beibringen. Ein Jungpferd, dass das noch nicht kennt, wird sich wahrscheinlich ziemlich aufregen, wenn du ihm einfach ein Bein unterm Körper wegziehst. Besonders sanft ist das auch nicht.

Stattdessen kannst du bewusst die Frage stellen, ob dein Pferd etwas mit dem Bein machen könnte, auf das du seine Aufmerksamkeit lenkst.

Damit sind wir bei einem wichtigen Aspekt dieser Übung: Du holst dir den Fokus deines Pferdes und lenkst ihn auf die Aufgabe. Wie hier z.B. auf einen Körperteil wie sein Bein.

Wie könnte das aussehen?

Schritt 1: Zuerst schaust du, ob der Fokus deines Pferdes bei dir ist: Ist ein Ohr auf dich gerichtet? Schaut es dich an? Wenn ja, kannst du weitermachen. Ansonsten musst du dir erstmal seine Aufmerksamkeit holen.

Schritt 2: Um die Frage zu stellen, kannst du z.B. Folgendes tun:

Du kannst dich neben das betreffende Bein stellen und dich runterbeugen. Du kannst das Bein aber auch mit einer Gerte antippen oder abstreichen. Oder du zeigst nur auf das Bein.

Schritt 3: Wichtig ist, dass du deinem jungen Pferd Zeit lässt, um sich mit deiner Frage zu beschäftigen. Es soll lernen, dass es nachdenken darf und nicht einfach schnell irgendwie reagieren muss. Deshalb füge ich keine unangenehmen Reize hinzu und steigere auch den Druck nicht, wenn das Pferd erstmal nicht reagiert.

Stattdessen schaue ich, ob ich den Eindruck habe, dass das Pferd sich mit der Frage beschäftigt. Wenn ja, dann bestärke ich es anfangs sogar in seinen “Gedanken”. Zum Beispiel mit einem Keks, Kraulen oder lobenden Worten.

Schritt 4: Schweift das Pferd ab, hole ich mir die Aufmerksamkeit zurück. Wieder lobe ich und lasse dem Pferd Raum, sich mit der Aufgabe zu beschäftigen – also darüber nachzudenken, was ich meine. Darüber, was es mit seinem Bein tun könnte.

Sobald das Pferd eine körperliche Reaktion zeigt – z.B. sein Gewicht verlagert oder das Bein leicht anhebt, lobe ich es wieder.

Schritt 5: Nach und nach lobe ich nur noch für die Reaktionen, die in die gewünschte Richtung gehen. Und ich passe auch meine Art zu fragen an. Zum Beispiel lege ich meine Hand bereits um das Fesselgelenk, wenn das Pferd den Huf leicht anhebt. Oder ich gebe einen ganz leichten Impuls auf die Schulter, wenn das Pferd nicht auf die Idee kommt, sein Gewicht zu verlagern.

☝️ Voraussetzung ist dabei immer, dass die feine Kommunikation erhalten bleibt. Auch eine Berührung oder ein kurzer Impuls mit spürbarem Druck muss vom Pferd als Anfrage wahrgenommen werden, über die es nachdenken darf. Und nicht als Forderung, die eine Strafe zur Konsequenz hat, sollte es nicht reagieren.
 
 

Bodenarbeitsübungen, die du mit den Frage-Antwort-Sequenzen erarbeiten kannst

Hier noch ein paar Vorschläge, was du deinem Jungpferd mit der Frage-Antwort-Übung in der Bodenarbeit noch beibringen könntest:

  • den Kopf senken
  • über unbekannte Untergründe gehen
  • Rückwärts gehen

Die Frage-Antwort-Sequenz bildet außerdem die Grundlage dafür, dass dein Pferd lernt konstruktiv mit Druck umzugehen und für das Führtraining. Denn auch hier stellst du bewusst Fragen, während dein Pferd dir antwortet. Für diese Aufgaben habe ich später noch Übungen für dich. Jetzt geht es erstmal um eine weitere wichtige Fähigkeit im alltäglichen Umgang mit dem Menschen, die junge Pferde erst lernen müssen:

Sich in ihrem Verhalten unterbrechen zu lassen.
 
 

2. Aufhorchen & Innehalten – Wie du deinem jungen Pferd in der Bodenarbeit beibringst, sein Verhalten zu unterbrechen

So viel Freiheiten wir unseren Pferden gern lassen wollen: Ziemlich oft müssen wir ihr Verhalten im Alltag auch unterbrechen. Weil dein Pferd nicht einfach den Putzkasten der Miteinstellerin plündern kann oder das Kind der Stallbesi umschubsen.

In seinem Tun innehalten zu können ist außerdem eine wichtige Voraussetzung, um Stillhalten und Warten zu lernen.

Stillhalten & Warten wiederum wird euch in allen Situationen zu Gute kommen, in denen dein Pferd eine unleidliche oder sogar unangenehme Behandlung über sich ergehen lassen muss. Oder wenn es eigentlich keine Lust für eine Aufgabe mehr hat (wie z.B. bei der Hufbearbeitung) und noch etwas länger durchhalten soll, bis es die nächste Pause bekommt.

Die zugrunde liegende Fähigkeit, die du bei deinem Jungpferd hier fördern willst, ist die Impulskontrolle (= nicht jeder Idee sofort nachzugehen) und Geduld (= ein angestrebtes Ziel abwarten zu können).

In der Bodenarbeit eignet sich dazu das Erarbeiten des Stehenbleibens.
 
 

Wie du deinem Jungpferd mit 5 Schritten beibringst, sich in seinem Verhalten unterbrechen zu lassen

Optional: Für diese Übung kannst du für dein Pferd einen sichtbaren Rahmen schaffen. Zum Beispiel, indem du ein Quadrat aus Stangen oder Dualgassen aufbaust. Dann führst du dein Pferd in diesen Rahmen hinein. Dieser Rahmen soll deinem Pferd am Ende signalisieren, dass es nun Zeit zum Stillstehen ist.

Du kannst die Aufgabe aber auch unabhängig von solchen Kontextreizen erarbeiten.

Schritt 1: Erstmal besteht deine Aufgabe darin, die Anspannung deines Pferdes genau zu beobachten. Wenn deinem Pferd der Impuls kommt, etwas zu tun (weil es sich z.B. langweilt), wird es sich merklich anspannen. Es wird seinen Kopf bewegen. Seinen Blick verändern. Wahrscheinlich sein Gewicht verlagern, z.B. indem es sich etwas nach vorn lehnt.

Du möchtest die Veränderung in seiner Anspannung so früh wie nur möglich bemerken – und darauf reagieren.

Warum?

❌ Wenn dein Pferd schon einen Schritt gemacht hat, ist es viel schwieriger (und mehr Druck nötig), um es zum Innehalten zu bewegen.

🧚 Reagierst du aber schon auf den ersten Gedanken deines Pferdes – also bevor es wirklich etwas gemacht hat, kannst du es ganz leicht unterbrechen.

Schritt 2: Wie reagierst du, wenn dein Pferd sich anspannt, um z.B. loszugehen (obwohl es stehenbleiben soll)?

👉 Du nutzt in erster Linie deinen Körper, um den Fokus deines Pferdes sofort auf dich zu lenken. Dein Pferd soll kurz aufhorchen und sich fragen: “Hä, was ist denn jetzt los?”

Deinen Körper kannst du z.B. einsetzen, indem du eine Hand anhebst, dich groß machst, deine Position zum Pferd mit einem schnellen Schritt veränderst.

👉 Dabei kannst du auch deine Stimme nutzen, um dein Pferd zum Aufhorchen anzuregen.

👉 Sehr sanft kann man auch über den Strick einwirken, indem man diesen im Moment der Anspannung ganz leicht (ohne Ziehen!) wackelnd bewegt. Dabei reicht eine Bewegung der Finger, während Handgelenk und Arm ansonsten bewegungslos verharren.

Natürlich kannst du auch eine Kombination aus diesen Reizen nutzen. Probiere einfach aus, worauf dein Pferd gut reagiert.

Schritt 3: Bestärke das Innehalten SOFORT mit lobenden Worten, Click+Futter oder Kraulen. Du kannst dieses Innehalten wirklich richtig feiern 🥳🍪❤️, weil es für dein Pferd so keinen negativen Beigeschmack hat, sich in seinem Verhalten unterbrechen zu lassen. Ganz im Gegenteil lernt es, dass es sich lohnt, innezuhalten.

Schritt 4: Wenn dein Pferd innehält, wird es sich dabei erstmal weiter anspannen. Ebenso wie du dich anspannst, um überhaupt die Aufmerksamkeit deines Pferdes auf dich zu lenken. Diese Anspannung müsst ihr gemeinsam wieder loslassen.

Atme also bewusst durch, entspanne deine Schultern, deinen Kiefer und deinen Bauch, sobald dein Pferd reagiert hat. Bleibe dabei aber dennoch aufmerksam – denn wenn dein Pferd darauf wieder reagiert, indem es einfach seiner Idee nachgeht, möchtest du es im Ansatz wieder unterbrechen.

Schritt 5: Sobald ihr beide wieder entspannt nebeneinander dasteht, kannst du dein Pferd aus dem Stangenviereck rausführen.

⚠️ Wichtig: Je nach Pferd kann diese Übung die Konzentration ziemlich strapazieren. Lasse sie also lieber immer mal wieder kurz in eure Bodenarbeitssequenzen oder auch in euer Miteinander im Alltag einfließen, statt minutenlang am Stück daran zu arbeiten.

Denke daran: Dein Pferd soll lernen, dass absolut nichts negatives daran ist, sich von dir in seinem Verhalten unterbrechen zu lassen.
 

Wie kannst du die Schwierigkeit in dieser Übung steigern?

 
Um die Schwierigkeit zu steigern (und dein Jungpferd dabei noch besser auf eure weiteren Aufgaben im Alltag vorzubereiten), kannst du Außenreize bewusst nutzen. Denn Außenreize sind für dein Pferd ein Anreiz, irgendwo hingehen zu wollen. Zum Beispiel zum Gras am Wegesrand oder zu einem Gegenstand, den es sich anschauen will.

Es geht dabei nicht darum, deinem Pferd ständig Nein zu sagen und es nicht zum Gras zu lassen. Es geht nicht darum, ihm zu verbieten sich etwas anzuschauen. Es geht nur darum Gelegenheiten zu erkennen und zu erschaffen, in denen du deinem Pferd beibringen kannst, dass du es eben manchmal in seinem Tun unterbrechen wirst und dass das nichts Schlimmes ist (so wie du es manchmal auch einfach die Umgebung untersuchen oder grasen lässt).
 

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3. Weich Werden – Wie du deinem Jungpferd in der Bodenarbeit sanft den Umgang mit physischem Druck nahebringst

Beim Thema “Weichen auf Druck” kommen wir wieder auf die Frage-Antwort-Sequenz vom Anfang zurück. Diesen Ansatz kannst du nämlich auch nutzen, um deinem Pferd beizubringen, bewusst mit Druck umzugehen – statt kopflos zu reagieren.

❌ Was ich nicht will: Dass das Pferd physischen Druck als Drohung interpretiert. Das bedeutet: Reagiert das junge Pferd nicht auf die Berührung oder einen taktilen Impuls, verstärke bzw. eskaliere ich den Reiz nicht! Denn dann würde das Jungpferd lernen, dass eine unangenehme Konsequenz folgt, wenn es auf Druck nicht (wie gewünscht) reagiert.

Stattdessen nutze ich Druck auf eine möglichst feine, nicht-unangenehme Art. Als Frage, auf die das Pferd antworten soll. Aber ohne eine Antwort um jeden Preis zu erzwingen.

Die erste Reaktion auf physischen Druck ist häufig, dagegen zu gehen. Das ist in vielen Situationen ziemlich ungünstig. Zum Beispiel, wenn dein Pferd am Anbinder rückwärts geht, mit dem Kopf unter den Strick kommt oder wenn es sich auf den Strick tritt. Aber eben auch, wenn du es bitten willst, einen Schritt zur Seite zu treten, um dich durchzulassen.

🌿 Also möchte ich dem Jungpferd stattdessen beibringen, mit Bedacht auf Druck zu reagieren. Innezuhalten und weich zu werden, statt dagegen zu gehen.

Du willst deinem Pferd also Folgenden Prozess beibringen:

Druck wahrnehmen → Hinspüren → Nachdenken “Was will der Mensch?” → Ruhig antworten/reagieren und zwar indem dein Pferd weich wird und dem Druck nachgibt.

Wie gehst du das an?
 
 

Wie du deinem Jungpferd beibringst, auf Druck zu weichen – ohne viel Druck machen zu müssen

Fang am besten mit einem Körperbereich an, mit dem es Pferden leicht fällt zu weichen, z.B. der Hinterhand.

Danach kannst du dein Pferd rückwärts weichen lassen, Ganasche und Hals von dir wegbiegen, die Schultern seitlich wegschicken, dein Pferd vorwärts schicken oder ihm beibringen, auf Druck im Genick mit Nachgeben zu antworten (orientiere dich gern an dieser Reihenfolge).

☝️ Wichtig dabei: Erinnere dich immer daran, dass du nicht einfach nur eine kopflose Reaktion – sondern eine bewusste ANTWORT – von deinem Pferd willst.

Gehe so vor, wie bei den Frage-Antwort-Sequenzen.

Ein Beispiel:

Stelle dich neben die Hinterhand deines Pferdes. Ist dein Pferd mit seinem Fokus bei dir? Dann (und erst dann) kannst du weitermachen, indem du deine Hand auf seinen Hüfthöcker legst (die genaue Stelle ist nicht so wichtig).

Übe leichten (= gerade spürbaren) Druck aus. Dieser kann konstant sein oder rhythmisch (indem du kurz Druck machst und sofort wieder weich wirst). Finde heraus, worauf dein Pferd besser reagiert.

⚠️ Aber auch wenn du rhythmischen Druck anwendest, musst du dabei besonders achtsam sein. Sonst wirst du schnell zur nervigen Fliege, die dein Pferd dazu bringt zu reagieren statt bewusst zu antworten.

Sobald du den Eindruck hast, dass dein Pferd auch nur darüber NACHDENKT, was du meinen könntest, bestärkst du dein Pferd mit Click+Futter, Stimme &/oder Kraulen. Achte darauf, dass du den Druck am Anfang sofort wegnimmst, wenn du eine Reaktion wahrnimmst. So sagst du deinem Pferd, dass du seine Antwort wahrgenommen hast.

Mit der Zeit kannst du die Berührung und deine Frage so lange aufrecht erhalten, bis du genau die Reaktion bekommst, nach der du fragen wolltest. Denke aber daran, dass du deinem Pferd diese Antwort nach und nach erklären musst (unter Umständen, indem du deine Art zu fragen anpasst). Du kannst nicht erwarten, dass dein Pferd dich gleich richtig versteht.

🌿 Lass deinem Pferd immer Zeit zum Nachdenken und feiere jede kleine Antwort, die in die gewünschte Richtung geht.

Fühle den Moment, in dem dein Pferd weich wird und zulässt, dass du seinen Körper mit dem achtsamen Druck deiner Hand in eine bestimmte Richtung dirigierst.
 


📖 In diesem Beitrag hat Jana 4 Tipps für dich, die dir zu einem achtsamen Einsatz deiner Hände in der sanften Ausbildung deines Jungpferds verhelfen:

Basics Bodenarbeit: Über den achtsamen Umgang mit deinen Händen


 
 

4. Führen & Folgen – Wie du das Führtraining mit deinem Jungpferd in der Bodenarbeit achtsam gestalten kannst

Wenn du bereits mit den Frage-Antwort-Sequenzen gearbeitet und deinem Pferd das Weich-Werden auf Druck nahegebracht hast, wird das Führtraining für euch einfach eine weitere Aufgabe sein, in der ihr diese beiden Prinzipien anwenden könnt.

Beim Führen stehst du vor allem vor zwei Aufgaben:

  1. Die Aufmerksamkeit deines Pferdes immer wieder zu dir zurück zu holen und
  2. positive Erwartungen zu erzeugen.

Wie wir schon festgestellt haben, können Außenreize dein Pferd ablenken. Es will lieber die Futterschüssel leer futtern, statt mit dir daran vorbeizugehen. In solchen Situationen braucht es wieder die Fähigkeit, den Impuls deines Pferdes zu unterbrechen. Und dein Pferd muss bereitwillig innehalten können.

❌ Wenn danach aber immer ein Ergebnis folgt, das aus Sicht deines Jungpferdes wenig wünschenswert ist (z.B. von der Futterschüssel weggehen müssen), wird es dir irgendwann nicht mehr so bereitwillig folgen. Deshalb ist es wichtig, dass du das Folgen sehr positiv belegst – indem du dein Pferd dafür bestärkst, z.B. mit Futterlob oder indem du es an Orte führst, die seine Neugier wecken und wo es etwas erkunden kann.

So folgt es dir nicht, weil du ruppig am Strick ziehst oder dich ständig mit Druck durchsetzt, sondern weil es positive Erwartungen an das Ziel hat, das du vorschlägst.

Das aber nur grundsätzlich zum Aufrechterhalten der Motivation im Führtraining, wenn du mit möglichst wenig Strafe und negativer Verstärkung auskommen willst.
 
 

Eine Übung, mit der du deinem jungen Pferd beibringst, synchron mit dir loszugehen

Um dein Pferd überhaupt von A nach B führen zu können, müsst ihr erstmal gemeinsam losgehen. Beginne also, indem du bewusst die Frage danach stellst, ob dein Pferd bereit ist, mit dir Loszugehen.

Hol dir wieder zuerst seine Aufmerksamkeit. Schau deinem Pferd dabei ins Gesicht, damit du wirklich wahrnimmst, wo es mit seinen Gedanken gerade ist. So merkt auch dein Pferd, dass du mit ihm kommunizieren möchtest.

🧚 Wichtig, wenn es um gemeinsame Bewegung geht: Bewege dich synchron mit deinem Pferd. Passe dich also an die Geschwindigkeit der Bewegung deines Pferdes an.

❌ Die meisten Menschen gehen einfach los und gehen davon aus, dass das Pferd ihnen folgen wird. Dadurch entkoppelt man die eigene Bewegung von der des Pferdes. Oft ist genau das der Moment, in dem die Aufmerksamkeit des Pferdes wieder flöten geht. Es fühlt sich nicht angesprochen und schweift ab.

Bewege dich stattdessen so langsam, dass du genau siehst, ob dein Pferd deiner Bewegung folgt. Spiegelt es dich? Dann lass diese Verbindung nicht abreißen.

👉 Stell dir vor, ihr seid über ein Gummiband miteinander verbunden. Spannst du dieses Band zu sehr (weil dein Pferd deiner Bewegung nicht folgt), reißt es.

Von der Idee her willst du die Frage nach dem Losgehen “flüstern”. Sobald du eine Reaktion bekommst, bestärkst du dein Pferd wieder. Nach und nach gibst du deinem Pferd eine längere Sequenz deiner Bewegung, die es spiegeln soll. Sodass ihr schließlich völlig synchron losgeht. Dein Pferd folgt dir, aber das ist kaum zu erkennen, weil du dich auf die Geschwindigkeit deines Pferdes einlässt, statt einfach ein Kommando vorzugeben.
 
 

Wie du das Führtraining mit der Übung “Geflüsterte Fragen” für dein Jungpferd spannend gestaltest

Indem du deinen eigenen Körper zentimeterweise bewegst, kannst du zahlreiche Fragen flüstern:

  • Dein Pferd etwas zu dir hin oder seitlich von dir weg dirigieren,
  • schneller und langsamer,
  • auf dich zu holen
  • oder auch die Führposition wechseln.

Verbinde all diese Fragen mit Bodenhindernissen bzw. Punkten, an denen du dich orientierst. Achte dabei aber darauf, dass du eure achtsame Kommunikation weiter aufrechterhältst. Ist dein Pferd gedanklich bei dir? Oder reagiert es nur wie auf Kommando?

🌿 Hier geht es um die Feinabstimmung eurer Kommunikation in Bewegung. Was so simpel erscheint, ist für ein junges Pferd eine herausfordernde Aufgabe, weil es in stetiger Verbindung mit dem Menschen bleiben muss.

Tipp: Gib deinem Jungpferd auch beim Führen bewusst Pausen. Entspanne dich und stelle für einige Momente KEINE weiteren Anfragen – während ihr weiter über den Platz schlendert. Erlaube deinem Pferd, sich mit den Außenreizen zu befassen. Dabei gehst du voran und zeigst den Weg. Das ist auch für spätere Spaziergänge eine gute Vorbereitung. Denn auch hier willst du sowohl in die konstante Verbindung gehen können, als auch entspannt mit deinem Pferd schlendern können.

Je nach Situation kannst du deinem Pferd so eine aktive oder eher passive Orientierung bieten.
 

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5. Präzise Anhalten – Eine Übung, mit der dein junges Pferd lernt, auf Signal anzuhalten

In der letzten Bodenarbeitsübung für dein Jungpferd geht es ums Anhalten.

Bisher wirst du wahrscheinlich einfach irgendwie mit deinem Pferd angehalten haben. Das wollen wir mit dieser Übung verfeinern, damit ihr jederzeit präzise anhalten könnt.

Schritt 1: Der Ausgangspunkt ist wieder die Aufmerksamkeit deines Pferdes. Bringe den Fokus zu dir und frage dein Pferd nach dem Losgehen. ABER lass dein Pferd gar nicht erst ins Laufen kommen – sondern frage bei der ersten Reaktion in Richtung Losgehen sofort nach Innehalten.

👉 So kannst du dein Pferd zwischen diesen zwei gegenteiligen Fragen bei dir halten.

Der Vorteil: Das präzise Innehalten während des Losgehens ist leichter zu kommunizieren als das präzise Anhalten aus dem Schritt.

Schritt 2: Wenn du dein Pferd ein paar Mal aus dem Losgehen innehalten lässt, wird es das beim nächsten Mal schon erwarten. Es denkt also beim Losgehen schon ans Anhalten.

An diesem Punkt gehst du zwei, drei Schritte mit deinem Pferd – gibst wieder das Signal fürs Innehalten UND hältst dieses so lange aufrecht, bis dein Pferd wieder steht. Hast du gut vorgearbeitet (und dein Pferd fürs Innehalten bestärkt), wird dein Pferd präzise neben dir anhalten. Denn es erwartet ja schon beim Losgehen, dass du diese Frage stellst.

Schritt 3: Wenn das Anhalten nach zwei bis drei Schritten gut funktioniert, kannst du die Distanz verlängern.

Tipp: Bleibe beim Führen auf der Position seitlich neben bzw. leicht vor dem Kopf deines Pferdes. So kannst du den Weg einfach zu machen, sollte dein Pferd nicht reagieren und einfach weiterlaufen wollen. Du setzt deinen Körper dann ein wie eine Tür, die sich schließt.

❌ Wichtig ist bei jedem Schritt, dass du nicht einfach anhältst und dann überrascht feststellst, dass dein Pferd einfach weiterläuft.

Stelle stattdessen sicher, dass dein Pferd schon vor deiner Frage nach dem Anhalten mit seinem Fokus bei dir ist. Wackel leicht am Strick, atme ruhig, entspanne deinen Körper und werde nach und nach langsamer. Dein Pferd soll dabei synchron mit dir langsamer werden, statt dass sich deine Bewegung von der deines Pferdes entkoppelt.

Du kannst die Hand mit dem Strick auch leicht vor dem Pferd anheben.

Verlagere das Gewicht auf deinen Beinen eher nach außen als nach innen. Und halte erst dann an, wenn du dir sicher bist, dass dein Pferd mit dir anhalten wird.
 

Genug von Alltagskampf und Trainingszwang?

Lass uns das Miteinander mit deinem Pferd so sanft gestalten, wie es DIR gefällt.

Was braucht es wirklich, damit du nicht mehr wahlweise frustriert oder hilflos vom Stall nach Hause fahren musst??? 

Um das herauszufinden, müssen wir nicht mal im selben Bundesland wohnen, denn:

DU bist Expert*in für dein Pferd und dich. Und euren Weg.

Kombiniere das mit…

🌿 unseren 10+ Jahren Sanftheits-Erfahrung,
🌿 extra für sensible Pferdemenschen verfeinerte Werkzeuge&Techniken 
🌿 und der Kraft eines bewussten “Ich-gehe-das-JETZT-an”.

Und schon erschaffst du nach unserem Klarheitsgespräch ein Miteinander mit deinem Pferd, das sich nach sonnigen Oktobertagen und selig in Ponymähne vergrabener Nase anfühlt. 

(Bitte einmal tief einatmen und den Gedanken genießen, dass DAS euer neues Normal sein könnte 😍!)

Anderthalb Stunden mit uns, nach denen es dir so in den Fingern kribbelt, dass du am liebsten sofort zum Stall fahren würdest. “Äh, ich bin dann nochmal kurz am Stall 👋…” (wir wissen beide, wo das endet – aber was soll’s, wenn du danach mit einem fetten Grinsen zu deinen Liebsten nach Hause zurückkommst 😅).


 
 

Alle ersten Übungen für die Bodenarbeit mit deinem Jungpferd auf einen Blick

 

  1. Mit Frage-Antwort-Sequenzen über Alltagsaufgaben kommunizieren, z.B. Beine anheben
  2. Aufhorchen & Innehalten als positive Erfahrung, z.B. im Kontext des Stehenbleibens/Warten
  3. Weich-Werden auf Druck, z.B. Weichen mit der Hinterhand
  4. Führen & Folgen, z.B. synchron losgehen, Geflüsterte Fragen in Bewegung
  5. Präzise Anhalten – Innehalten aus dem Losgehen und später synchron Tempo verringern

 

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