Basics Clickertraining: Präzises Pferdetraining mit dem Markersignal

 In Clicker Training, Pferdetraining

Ein Markersignal erleichtert das Training enorm und hilft dabei, Futterlob auf sinnvolle und zielführende Weise zu nutzen. Was ein Markersignal genau ist, welche Arten es gibt, warum oder vielmehr wann du eines benötigst und welche Fallstricke es gibt, erfährst du hier.

 

Was ist ein Markersignal?

Das Markersignal ist ein Signal, welches präzise den gewünschten Moment eines Verhaltens markiert und eine Belohnung ankündigt. Der Begriff kommt aus dem Clickertraining, dem Hauptwerkzeug für das Training mit der positiven Verstärkung. Dabei wird ein immer gleich klingendes akustisches Signal verwendet, um dem Pferd anzuzeigen, dass ein Verhalten, das es gerade gezeigt hat belohnt wird. Im Clickertraining wird das gewünschte Verhalten von einer positiven Konsequenz, meistens Futterlob, gefolgt, wodurch das Tier motiviert wird, das Verhalten öfter zu zeigen. Das Markersignal übernimmt dabei die Funktion der Brücke zwischen Verhalten und Belohnung, das bedeutet es kündigt nach erfolgreicher Konditionierung eine Belohnung für das erwünschte Verhalten an.

Wie funktioniert das Markersignal?

Um eine Vorhersagekraft zu entwickeln, muss das Markersignal zunächst mit einer Belohnung klassisch konditioniert werden. Dazu paart man einige Male das Markersignal möglichst schnell mit der Gabe eines Leckerchens. Dieser Prozess ist wichtig, denn bevor ein Markerwort wirklich sinnvoll eingesetzt werden kann, muss zunächst für das Pferd klar sein, dass immer eine Belohnung folgt.

Die Betonung liegt dabei auf IMMER.

Es macht keinen Sinn, dem Markerwort nur manchmal eine Belohnung folgen zu lassen – dadurch wird es lediglich abgeschwächt und verursacht im schlimmsten Fall Frust, weil es keine klare Vorhersagekraft für das Pferd hat. Nach dieser ersten Konditionierungsphase, für die es in der Regel nur einige Durchläufe braucht, kann das Markersignal gezielt eingesetzt werden.

Was kann als Markersignal genutzt werden?

Theoretisch können wir als Markersignal jeden Reiz nutzen, der sich von den restlichen Umgebungsreizen so sehr abhebt, dass er vom Pferd wahrgenommen wird. Im Vergleich zu Sichtzeichen oder Gerüchen sind jedoch solche Reize, die das Pferd mit dem Gehör wahrnimmt, am praktischsten einzusetzen.

Markersignal

Das bekannteste Markersignal ist wahrscheinlich das Clickgeräusch des mechanischen Clickers. Der Clicker hat in der Handhabung einige Vor- und Nachteile gegenüber den Markersignalen, die wir mit dem Mund produzieren können. Darauf gehen wir später noch ein. Bei den Markersignalen, die wir mit der Stimme produzieren können, haben wir die Möglichkeit ein Wort mit sinnvoller Bedeutung (wie zum Beispiel “Keks”) oder auch eine sinnlose Aneinanderreihung von Lauten (zum Beispiel “kss” oder “tsk”) zu wählen. Wichtig ist, dass das gewählte Markersignal immer gleich klingt, um für das Pferd verständlich zu sein.

Außerdem sollte das Markersignal nicht mit anderen Signalen verwechselt werden können. Das kann vor allem zum Problem werden, wenn wir Worte verwenden, die so oder so ähnlich auch sonst in unserem Sprachfluss dem Pferd gegenüber vorkommen. Unser Markersignal darf außerdem vor der Konditionierung noch nicht mit einer Bedeutung belegt sein – es sollte beim Pferd also kein Verhalten auslösen und auch noch keine Konsequenz ankündigen. Es wäre für das Pferd zum Beispiel sehr verwirrend, wenn das Schnalzen, das es schon als Aufforderung für den Wechsel in die nächsthöhere Gangart kennt, nun auch das Leckerchen ankündigt.

Wann ist ein Markersignal sinnvoll?

Ein Markerwort oder auch allgemein ein Markersignal kann immer dann zum Einsatz kommen, wenn die Gabe von Futterlob systematisch – also planmäßig und gezielt – im Training genutzt werden soll. Denn das Markersignal hat einen sehr großen Vorteil gegenüber dem bloßen Füttern von Leckerchen, den ich an einem Beispiel verdeutlichen möchte: Wenn ich einem Pferd das Absenken des Kopfes druckfrei beibringen möchte, dann kann ich auf eine minimale Abwärtstendenz des Kopfes warten und belohne diesen Ansatz mit einem Leckerchen. So weit, so einfach.

Das Problem an der Sache ist, dass eine gewisse Zeit zwischen dem Verhalten (Kopf geht nach unten) und dem Herauskramen und Überreichen des Leckerchens vergeht. Da es aber nur einen sehr engen Zeitrahmen für die korrekte Verknüpfung zwischen gewünschtem Verhalten und Belohnung gibt – dieser soll bei einer halben bis maximal einer Sekunde liegen – ist diese Methode zu unpräzise. In der Zeit, in der der Mensch noch in der Tasche kramt, hat das Pferd schon längst seinen Kopf wieder gehoben und rüsselt vielleicht sogar aufdringlich den Menschen ab.

Erfolgt in diesem Moment dann die Leckerliegabe (eigentlich für das vorherige Kopfsenken), lernt das Pferd, dass scheinbar das Bedrängen des Menschen zum Ziel führt. Folglich wird es in Zukunft nicht den Kopf senken, sondern den Menschen bedrängen oder beide Verhaltensweisen nacheinander zeigen (wie du dein Pferd zur Höflichkeit erziehen kannst, erfährst du hier). Um dieses Problem zu lösen, kommt dann das Markersignal zum Einsatz:

Durch das Markieren des gewünschten Moments verlängert sich der Zeitrahmen für die Übergabe des Leckerchens auf bis zu drei Sekunden, ohne dass das Pferd eine falsche Assoziation herstellt.

Markersignal

Was soll ich nutzen: Den mechanischen Clicker, ein Markerwort oder doch ein anderes stimmliches Signal?

Für den mechanischen Clicker spricht vor allem seine absolut konsistente Akustik. Auch für Anfänger im Clickertraining ist es manchmal leichter, zunächst mit einem “handfesten” Gegenstand zu beginnen, da so der Fokus klar auf eine Aufgabe gerichtet ist (“drücke auf den Clicker”) anstatt zwischen all dem, was man im Training so mit seiner Stimme kommuniziert, auch noch ein Markerwort sagen zu müssen.

Aus Sicht des Pferdes ist der mechanische Clicker von Vorteil, weil dieses Geräusch sich sehr stark von allen Geräuschen unterscheidet, die es vom Menschen schon kennt. So kann es den Click sehr gut wahrnehmen. Außerdem ist der mechanische Click auch aus einigen Metern Entfernung und bei Wind noch zu hören.

Auf lange Sicht und besonders, wenn man gerne seine Hände frei haben will oder ein besonders leises Geräusch benutzen möchte (beispielsweise um Mitreiter oder Stallkollegen nicht zu stören) überwiegen die Vorteile des Markerworts und anderen stimmlichen Signalen.

Welche Laute eignen sich zum Markersignal?

Theoretisch gibt es unzählige Möglichkeiten für Markersignale, die man nutzen kann. Wir selbst nutzen ein Klackgeräusch mit der Zunge, das aber anders erzeugt wird als das Schnalzen zum motivieren/aktivieren. Dabei wird die Zunge an den Gaumen gelegt, leicht angesaugt und dann heruntergezogen. Das kann man am besten einige Male ohne das Pferd üben, bis man einen gleichbleibenden Laut erzeugen kann, ohne dass einem der Mund austrocknet.

Für viele ist zu Anfang ein sinnvolles Wort leichter, wie zum Beispiel “Keks”, “Click” oder “Top”. Weitere Möglichkeiten sind Buchstabenkombinationen, die keinen Sinn ergeben, wie etwa “tsk” oder “kss”. Diese sind sehr prägnant und werden dadurch vom Pferd leichter erkannt. Allerdings sind wir oft nicht in der Lage, diese Markersignale in einer Lautstärke zu produzieren, die man auch aus mehreren Metern Entfernung, bei Wind oder lauter Umgebung noch gut hört.

Markersignal Stimmlob

Ein ehrliches und enthusiastisches Stimmlob kann das Pferd zum Strahlen bringen. Doch beim gezielten Einsatz gibt es ein paar Dinge zu beachten.

Fallstricke beim Einsatz des Markerworts

Bei der Wahl des Markerworts ist Vorsicht geboten, damit wir unsere Pferde im Training nicht unnötig verwirren und uns selbst Probleme schaffen.

Wird ein sinnvolles Wort wie etwa “Keks” gewählt, dann ist dieses Wort ab sofort aus dem Alltagsvokabular zu streichen.

Stellen wir uns einmal folgende Situation vor: Man lehnt gemütlich an der Stalltür, das eigene Pferd ist in Reichweite. Eine Stallkollegin kommt vorbei und beginnt ein Gespräch: “Na, wie lief es gestern bei euch?” – “Richtig gut! Wir haben auf dem Platz den spanischen Schritt geübt und für jedes Mal Bein heben hab ich einen Keks gegeben. Das hat super funkt…” und schon steht das Pferd mit großen Augen vor einem und fängt an ungeduldig nach seinem Leckerchen zu fragen. Berechtigterweise, schließlich hat es gerade einen Keks versprochen bekommen ;). Man sollte sich also vorher gut überlegen, welches Wort tatsächlich verwendet werden kann – oder man wählt vorsichtshalber ein abstraktes Geräusch bzw. eine sinnlose Buchstabenkombination.


Und für die Fortgeschrittenen unter euch:

Ebenfalls zu beachten ist, dass das Markersignal möglichst immer der sekundäre Verstärker in der Kette bleibt.

Widmet man sich im fortgeschrittenen Training dem Keep-Going Signal, hat aber in der Vergangenheit schon häufiger das Markersignal als sekundären Verstärker mit einem enthusiastischen Stimmlob als tertiären Verstärker vermischt , dann verbaut man sich dadurch die Möglichkeit, das Stimmlob als intermediäre Brücke gezielt einzusetzen. Ein ungünstiger Ablauf wäre beispielsweise “Markersignal Keks” – “Suuper!” – Belohnung. Dieser Ablauf ist ungünstig, da hier das Makersignal an die Stelle des tertiären Verstärker gerutscht ist und das Wort “Super” nun als sekundärer Verstärker das Futter angekündigt hat.

Der Nachteil dabei ist, dass das Pferd somit lernt, dass “Suuper” der sekundäre Verstärker ist und der Clicker kann somit auf Dauer seine unmittelbare Vorhersagekraft verlieren. Dadurch wird die Kommunikation unpräziser. Möchten wir außerdem das “Suuper” eigentlich als intermediäre Brücke nutzen, dann kann es zudem passieren, dass das Pferd nach “Suuper” direkt stehen bleibt, in der Erwartung eines Leckerchens. Schließlich haben wir in der Vergangenheit ja trainiert, dass nach “Suuper” das Leckerchen folgt – und somit uns die Möglichkeit für das Keep-Going-Signal verbaut.

Daher meine Empfehlung: Überlegt euch, welches Wort ihr gerne einmal als Keep-Going-Signal verwenden möchtet (“Suuper”  eignet sich übrigens sehr gut, weil man es so schön lang ziehen kann 😉 ) und dann bleibt wirklich konsistent in der Reihenfolge der Verstärker.  Die ideale Reihenfolge wäre: “Suuper!” – Markersignal – Belohnung. So ist der Trainingsaufbau klar und die Signale können präzise und wie gewünscht eingesetzt werden.

Ich hoffe, dieser Grundlagenartikel war hilfreich für dich! 🙂

 

Zum Weiterstöbern:

Wenn du dich fragst, wie du den Clicker für das Höflichkeitstraining bzw. die Futtererziehung mit deinem Pferd nutzen kannst, dann ist dieser Artikel vielleicht für dich interessant.

Außerdem hast du die Möglichkeit, uns bei einem Livetraining zu sehen und dort direkt vor Ort von uns zu lernen, Fragen zu stellen oder dich einfach nur in einer intimen Kursatmosphäre zum Thema positive Verstärkung mit Pferden inspirieren zu lassen. Folge dazu einfach diesem Link.

Zu einer guten Beziehung gehören immer zwei. Daher ist es so wichtig, dass wir lernen, achtsam mit unserer Körpersprache umzugehen. Wie das in Bezug auf den Einsatz der Hände aussehen kann, erfährst du hier.

Hier schreibt Anni über die “goldene Regel” und darüber, was wir tun dürfen im Pferdetraining. Falls du momentan auf der Wegfindung mit deinem Pferd bist, hilft dir dieser Artikel vielleicht weiter 🙂 .

 

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