Warum du endlich aufhören solltest nach Schritt-für-Schritt Anleitungen zu suchen

 In Bewusstes Menschsein, Bewusstes Pferdetraining, Mindset, mit mir im dialog, Persönliche Entwicklung, Problemlösung

Schritt-für-Schritt Anleitungen standen bei einer unserer Newsletter-Umfragen ganz weit oben auf der Wunschliste für unsere zukünftigen Blogpost-Inhalte. Aber irgendwie ist es in über einem Jahr nicht dazu gekommen, dass der Anteil an kleinschrittigen Anleitungen zur Erarbeitung verschiedener Lektionen und Lösung spezifischer Probleme zugenommen hätte.

Ich habe mich gefragt, woher diese Zurückhaltung kommt.

Was hält uns davon ab, unseren Leser:innen mehr praktische How-Tos an die Hand zu geben?

Ein Gedanke kam mir dabei sofort: Es kann nicht daran liegen, dass Anleitungen schwieriger zu schreiben wären. Es ist eher so, dass mir das besonders leicht von der Hand geht. Leichter als andere Arten von Artikeln.

In unseren 1:1 Angeboten tun wir das ständig, aus dem Stegreif. Per Text ebenso wie in unseren Live-Gesprächen.

Doch was ist es dann?

 

4 Gründe, die gegen Schritt-für-Schritt Anleitungen sprechen

Ich habe diese 4 Gründe gefunden, die gegen Schritt-für-Schritt Anleitungen sprechen – und die dir zeigen, worauf du als sensibler, selbstbestimmter Pferdemensch deinen Fokus stattdessen legen kannst, wenn du dazulernen möchtest.

 

1. Schritt-für-Schritt Anleitungen lassen keinen Raum für Individualität – was wie funktionieren kann und was nicht, kommt immer auf das Pferd-Mensch-Paar an.

 

Der erste Grund ist ein ziemlich praktischer: Es ist zwar leicht, irgendeine Anleitung zu schreiben. Es ist sogar leicht, eine gute Anleitung zu schreiben. Aber ob sie funktioniert, kommt immer – wirklich immer – auf das jeweilige Pferd-Mensch-Paar an.

Der Punkt ist: Es ist nicht einmal entscheidend, ob du es schaffst, unsere Ideen 1 zu 1 in der Praxis umzusetzen. Entscheidend ist letztendlich, was dein Pferd davon hält, wie es dich interpretiert und ob du in der Lage bist, damit flexibel umzugehen.

Auch wenn bei zwei Pferd-Mensch-Teams augenscheinlich dasselbe Problem vorliegt, ist der passende Lösungsansatz oft grundverschieden!

Eine Schritt-für-Schritt Anleitung kann dir also lediglich einen möglichen Weg aufzeigen. Sie kann aber auch komplett nach hinten losgehen, wenn sie nicht zu dir und deinem Pferd passt. Letztendlich musst du wissen und entscheiden, was wirklich zu euch passt.

Und deshalb ist es wichtig, dass du lernst, wie Training, Kommunikation, Lernen und all das Drum und Dran des Miteinanders mit dem Pferd generell funktionieren können.

Denn nur mit diesem Wissen kannst du begründete Entscheidungen darüber treffen, welche Anleitung überhaupt für euch funktionieren kann – und welche du besser gleich wieder ad acta legst.

Wissen und geschulte Fähigkeiten schaffen Raum für Individualität.

Fehlendes Wissen und fehlende Fähigkeiten lassen dich nach Anleitungen suchen, nach der “perfekten” Methode, der passenden Reitweise und einem Trainer, der dich an die Hand nimmt und dir sagt, was du tun sollst. Und das ist okay, wenn du damit zufrieden bist.

Aber wenn du stets auf der Suche bist und nie das Gefühl hast anzukommen, dann suchst du vielleicht am falschen Ort. Oder hast eine falsche Idee davon, wo der Weg zur Lösung verläuft.

 

2. Schritt-für-Schritt-Anleitungen entsprechen nicht unserer eigenen Art zu lernen.

 

Der zweite Grund liegt in unserer eigenen speziellen Andersartigkeit begründet: Wir waren selbst nie auf der Suche nach Schritt-für-Schritt Anleitungen. Genau das zu tun, was andere uns sagen, ist irgendwie so ganz und gar nicht unsere Natur 😁.

Wir lieben es zu lernen, uns mit neuen Ideen auseinanderzusetzen, Gedanken gegenüberzustellen und die Lösungsansätze anderer zu verstehen. Wir wollen verstehen, so viel es geht.

Um dann wegzulassen, umzuändern, hinzuzufügen und umzuformen, bis es für uns wirklich passt. Bis sich ein Vorgehen ganz und gar authentisch anfühlt. Bis Pferd und Mensch zufrieden sind.

Eine Methode und von außen auferlegten Regeln zu befolgen, macht uns zu Dienern selbiger. Aber es sind unsere Werkzeuge, unsere Methoden und Regeln, die uns dienen sollten. Die so gestaltet sein sollen, dass sie uns nicht bloß erlauben wir selbst zu sein, sondern uns darin unterstützen.

Wenn du tiefes Verständnis erlangst, wirst du bemerken, dass mit jedem kleinen Wissenshappen zehn neue Fragen auftauchen. Mindestens.

Und dennoch wirst du merken, dass dieses Wissen dich befreit, weil es dir ermöglicht, selbst zu entscheiden. Das wird nicht immer die beste Entscheidung sein. Aber im blinden Vertrauen einer Methode oder einem anderen Menschen zu folgen, ist auch selten die beste Entscheidung.

Und es nimmt dieser Welt ihre Nuancen, ihre Vielfalt und uns allen die Möglichkeit, voneinander zu lernen und unsere ganz individuellen Geschenke in ein Miteinander zu bringen, das wir in der Reiterwelt vielleicht erst noch erschaffen müssen.

Irgendwer muss anfangen, mutig zu sein. Mutig man selbst zu sein. Mutig Fehler zu machen. Vielleicht bist du das ja und suchst ab heute weniger nach Anleitungen als nach Antworten auf deine Fragen – nach deinen eigenen Antworten auf deine Fragen.

Unser Selbsterfahrungskurs „mit mir im dialog“ bildet die Brücke zwischen deinem jetzigen Ich, das noch voller Fragen und Verwirrung ist, zu deinem zukünftigen Ich, das voller Klarheit in Verbindung mit sich selbst selbstbewusste Entscheidungen treffen kann. Spannend? Dann folge diesem Link: mit mir im dialog

 

3. Schritt-für-Schritt-Anleitungen legen den Fokus auf Nebensächliches (Lektionen) statt auf Wesentliches (Inhalte).

 

Okay, wodurch der dritte Grund inspiriert ist, ist vielleicht offensichtlich: Der akademischen Reitkunst. Oh, welch Wissens- und Inspirationsquelle, die ich nicht mehr missen möchte 😍.

Ich hole mal ein bisschen weiter aus, um das näher zu erläutern.

Wenn wir ans Training mit unseren Pferden denken, insbesondere an die gymnastizierende Arbeit, dann denken wir häufig in Lektionen. Als müssten wir Meilensteine erreichen und einen Haken hinter unsere Errungenschaften machen. Mit fünf wird das Schulterherein abgehakt, dann kommt das Kruppeherein und mit spätestens sieben Jahren können wir uns dann endlich mit dem Pferd an fortgeschrittenere Lektionen wagen.

Hmm, nein. Eine Lektion, die einen wertvollen Inhalt hat, ist nie abgeschlossen. Wir können sie nicht einfach abhaken und zum nächsten Punkt übergehen. Denn die Lektion an sich ist absolut nebensächlich.

Übrigens solltest du unbedingt auch Janas Artikel zum Thema „Jungpferdeausbildung“ lesen, wenn du noch mehr Mythen um den künstlichen Druck der Meilensteine aufdecken möchtest: Jungpferd – Achtsamer Start statt Zeitplan und Druck

 

Es ist nicht wichtig, ob dein Pferd Schulterherein an der Hand oder unter dem Reiter geht oder nicht. Das erscheint nur wichtig, solange du den Inhalt der Lektionen nicht verstehst.

Wichtig ist,

  • ob dein Pferd die äußere Oberlinie mit Leichtigkeit aufdehnen kann
  • ob es die Kraft des inneren Hinterbeins durch den gesamten Körper übertragen und dadurch die äußere Schulter anheben kann
  • ob du dabei gelernt hast, Hilfen so einzusetzen, dass sie helfen und ob ihr gemeinsam in Balance findet und bleiben könnt
  • ob dein Pferd sich dabei in seinem Körper stark fühlt und ob es diese Bewegung selbst beherrscht

Wenn man den Inhalt versteht, dann sucht man nicht weiter nach Schritt-für-Schritt Anleitungen – denn dann erschließen sich die meisten Schritte ganz von selbst. Und wenn man an einem Schritt hängen bleibt, merkt man bei Kenntnis des Inhalts schnell, was zuvor noch erarbeitet oder verfeinert werden muss.

Wenn man aufhört nach Anleitungen zu suchen und stattdessen nach dem Inhalt einer Übung oder Aktivität zu fragen, richtet sich der Blick vom Nebensächlichen (ob das Pferd auf drei Hufschlägen läuft) hin zum Wesentlichen.

Es gibt kein Abhaken mehr. Nur noch ein Fließen durch die verschiedenen Inhalte, mal ein bisschen mehr hiervon, ein bisschen weniger davon, loslassen, atmen, fühlen.

Und das ist nicht nur in der gymnastizierenden Arbeit so. Es gilt ebenso für die Freiarbeit, für Spaziergänge, für alle Arten des Trainings und den Umgang bei Alltagsaufgaben. Aber wir vergessen es leicht, wenn wir in Schritten denken, denen die Verbindung und ein grundlegender Sinn fehlt. Aha, das hat funktioniert, na dann können wir ja endlich weitermachen im Text. So funktionieren Pferde nicht.

Es ist eher so, dass wir das Wesentliche immer im Auge behalten müssen. Immer im Bemühen sein, es aufrechtzuerhalten. Bis es ein Teil unseres Seins wird.

 

4. Schritt-für-Schritt Anleitungen stehen unserem größten Ziel im Weg: Sensible Pferdemenschen darin zu stärken, ihren eigenen Weg zu gehen (statt exakt in die Fußstapfen anderer zu treten).

 

Und zu guter Letzt noch der eine entscheidende Grund. Der Grund, weshalb es all die anderen Gründe nicht bräuchte und wir uns trotzdem immer wieder dafür entscheiden würden, lange und tiefe und detailreiche Beiträge zu schreiben, die dich zum Denken bringen, statt dir eine einfache und schnelle Schritt-für-Schritt Lösung an die Hand zu geben:

Wir wollen das Wissen vermitteln, dass es braucht, damit du dir deine eigene Anleitung für jedes Problem, für jede Lektion, selbst erstellen kannst.

Vielleicht hast du zu uns gefunden, weil du ein bestimmtes Problem hattest. Und wir möchten dir gern helfen, dieses Problem zu lösen. Wir möchten dir gern dabei helfen, endlich entspannt mit deinem Pferd spazieren gehen zu können, eine Lösung für das Beißen zu finden, mit Leichtigkeit die Bewegungsmotivation zu stärken oder erste Inhalte der gymnastizierenden Bodenarbeit zu erarbeiten. Aber all das ist nicht DAS Problem, das wir lösen wollen.

All das ist nur ein kleiner Schritt, ist nur der Weg, der dich zu dem Berg führt, den du eigentlich erklimmen möchtest. Ist nicht das Ziel und auch nicht die gesamte Reise. Unsere Aufgabe besteht nicht darin, dir diesen einen Schritt zu erleichtern. Sie besteht auch darin.

Aber vor allem sehen wir es als unsere Aufgabe, dir die gesamte Reise zu erleichtern.

Am Fuß des Berges anzukommen. Zu erkennen, dass es Sanftheit ist, die dir fehlt und dass du dir Selbstbestimmung für dein Sein mit deinem Pferd wünschst. Den Mut zu finden, die ersten Schritte zu wagen. Die ersten Schritte, die anders sind als die der anderen und dabei zu wissen, dass du dennoch nicht alleine “anders” bist.

Und schließlich daran zu glauben, dass du es schaffen und ganz oben ankommen kannst. Diesen ganzen Berg voller Selbstvertrauen hinaufzukraxeln, auch wenn das Terrain zwischendurch echt unwegsam wird.

Aber du glaubst an dich und an dein Pferd, weil du alles hast, was du brauchst.

Weil du dich selbst gut kennst und mit dir umzugehen weißt. Weil du deine Gefühle wahrnimmst und ihre Botschaften verstehst. Weil du weißt, wofür es sich lohnt, “anders” zu sein. Weil du deine Ziele kennst und gelernt hast, handfeste Pläne anzufertigen und jeden einzelnen Tag ein Stück deines Traums in die Wirklichkeit zu holen. Weil du nicht länger darauf wartest, dass es so kommt, wie du es dir wünschst, sondern weil du es lebst. Weil du mit jedem Schritt mehr bei dir selbst ankommst. Und bei deinem Pferd.

Das ist es, was du hier bekommst. Und vielleicht stiehlt sich von Zeit zu Zeit auch mal eine Step-by-Step Anleitung dazwischen. Aber jetzt weißt du, weshalb wir da keinen gesteigerten Wert drauf legen. Und wie du sie handhaben kannst, wenn sie dir doch unterkommen – und eigentlich überhaupt nicht zu dir passen: Einfach weg damit.

Hier kommt deine Einladung, ins Handeln zu kommen. Fülle unseren Kennenlernbogen aus, erzähle uns dort von den Herausforderungen mit deinem Pferd und dann lass uns gemeinsam herausfinden, ob wir die richtigen Begleiterinnen für deinen sanften Pferdeweg sind: zum kostenlosen Kennenlernbogen

 

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