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Dein Pferd parkt? – Mit den Geflüsterten Fragen motivierst du es OHNE DRUCK zum Weitergehen

Seit ein paar Wochen werden Nathan und ich in unserer Arbeit oft ziemlich vehement unterbrochen. Den Zaun zum restlichen Paddock lasse ich gern offen, während wir trainieren.

Das ist Charlie (er gehört zu unserer lieben Freundin Marie, @verbunden_sein_mit_pferden). Seit ein paar Wochen machen wir hin und wieder etwas zusammen. Und weil er ziemlich neidisch wird, wenn er Nathan und mich arbeiten sieht, hängen wir inzwischen regelmäßig eine kleine gemeinsame Einheit dran. Und das, obwohl er die ersten Male nur sehr zögerlich mit mir auf den Reitplatz gehen wollte.

Woran das lag?

Charlie hat eine lange Schulpferdekarriere hinter sich. Und auch wenn er sich bei Marie zu einem sehr selbstbewussten Pferd entwickelt hat, ist er manchmal skeptisch und zögerlich. Vor allem, wenn er nicht abschätzen kann, was genau auf ihn zukommt.

Heute möchte ich mit dir teilen, wie ich mit seinem Zögern umgegangen bin. Und ihn mit einer einfachen Übung innerhalb von zwei Minuten aus seinem Schneckenhaus gelockt habe ✨.
 
 

Was hat das Pferd für ein Problem, wenn es nicht weitergehen will?

In der Nein-Phase (wenn dein Pferd gerade lernt, dass du sein Nein jetzt respektierst), entsteht oft ein großes Problem:

Die Pferde weigern sich, weiterzugehen (z.B. auf den Reitplatz, runter vom Hof oder einfach während der Bodenarbeit). Wenn man jetzt Druck macht, baut sich noch mehr Widerstand im Pferd auf. Denn es “testet aus”, inwiefern sein Nein wirklich gehört wird.

Manchmal bekommt man gar keine Reaktion mehr. Dann hast du den Eindruck, dass dein Pferd sich komplett wegblendet.

In diesen Momenten sind die Pferde sich nicht sicher, ob sie das, was von ihnen gefragt wird, wirklich wollen.

⚡️ Ob die Mitarbeit mit dem Menschen nun angenehm oder unangenehm sein wird.
⚡️ Ob sie zustimmen oder ihre neue Freiheit nutzen und Nein sagen sollten.

Für mich war bei Charlies Zögern und seinem Widerstand klar:

Erstmal muss ich sein Interesse und seine Motivation zur Mitarbeit wecken. BEVOR ich ihn nach irgendetwas fragen kann.

Aber wie wecke ich Motivation, wenn das Pferd zu allem Nein sagt?
 
 

Die Voraussetzung: Das brauchst du, damit du überhaupt am Weitergehen arbeiten kannst

Es gibt eine Voraussetzung für das Vorgehen, das ich mit Charlie gewählt habe:

Du brauchst die Aufmerksamkeit deines Pferdes. Ansonsten klappt’s nicht.
 


Wenn dein Pferd sich noch komplett wegblendet oder dich nicht beachtet, dann findest du in diesem Artikel Lösungsansätze:

Wie du mit der Bodenarbeit beginnst – 10 einfach Übungen für Anfänger

(Du musst etwas scrollen, bis zur Überschrift “Erste Schritte in der Bodenarbeit mit Pferden – Die Aufmerksamkeit des Pferdes bekommen”)


 
 

Kleinschrittigkeit: Wie du sie in der Bodenarbeit auf deine Körpersprache anwendest

Charlie war mit seinem Fokus bei mir. Er hatte mich immer im Blick. Er weigerte sich nur, mit mir zu kommen.

Ich hätte ihn nun direkt danach fragen können, sich auf mich zu zu bewegen. Zu mir zu kommen. Doch damit hätte ich vor allem eines provoziert: Mehr Widerstand in ihm.

Die Frage war also: Was kann ich tun, damit sein innerer Widerstand der Aufgabe gegenüber schrumpft?

Dazu bin ich einen kleinen Umweg gegangen (der eigentlich eine Abkürzung war).

Erstmal habe ich die Aufgabe “mit mir zum Reitplatz gehen” ganz fallen gelassen. Stattdessen war mein Ziel, überhaupt irgendeine Aktivität und eigene Angebote von Charlie zu bekommen. Ebenso wie Reaktionen auf meine Fragen.
 

🗝 Der Schlüssel:

Als allererstes habe ich Fragen gestellt, die er ziemlich sicher mit Ja beantworten würde – Gewicht etwas von rechts nach links verschieben, Spanischer Gruß, Handtarget.

Damit hatte ich sein Interesse geweckt. Es war sofort spürbar, wie er seinen inneren Widerstand losließ.

Also ging ich immer mehr dazu über, meinen Körper zentimeterweise zu bewegen. Und Charlie zu feiern, wenn er meine Bewegungen spiegelte. Auch das war eine ziemlich leichte Aufgabe für ihn. Wichtig war an diesem Punkt deshalb, dass ich nicht minutenlang bei dieser einfachen Aufgabe blieb.

🌿 Ich hatte sein Interesse, der Widerstand war geschmolzen UND er hatte die Aufgabe verstanden.

An diesem Punkt konnte ich die ursprüngliche Aufgabe (zum Reitplatz gehen) wieder aufgreifen.
 
 

Was du unbedingt beachten solltest, damit dein Pferd nicht gleich wieder die Motivation verliert – Geflüsterte Fragen stellen

⚠️ Aber Vorsicht!

Hätte ich jetzt zu viel von ihm erwartet, hätte er gleich wieder die Mauern hochgezogen. Denn er war sich immer noch nicht sicher, ob es eine gute Idee sein würde, mit mir auf den Reitplatz zu gehen. Ich musste ihm beweisen, dass sich unsere Interaktion nicht verändern würde.

Deshalb blieb ich auch für die neue Aufgabe bei meinen zentimeterweisen Bewegungen. Ich nenne sie auch gern Geflüsterte Fragen, weil sie so fein und leise sind. Fast unsichtbar.

Ich flüstere eine Frage mit meinem Körper: “Hey Charlie, kannst du dein Gewicht ein bisschen nach vorn verlagern?” – und das Pferd spiegelt meine Bewegung. Das bestärke ich. Dann stelle ich die nächste Frage: “Und, kannst du auch deinen Vorderhuf etwas anheben?”…
 
 

Was noch wichtiger ist als die kleinschrittige Bestärkung des gewünschten Verhaltens

Entscheidend dabei ist nicht allein, dass ich sehr kleinschrittig das gefragte Verhalten belohne.

☝️ Viel wichtiger ist, dass ich mit meiner Bewegung nicht VOR die Bewegung des Pferdes komme!

Ich achte darauf, dass wir uns nahezu synchron bewegen. Verliere ich das Pferd, schnellt mein Körper gleich wieder zurück. Und sofort hole ich mir den Fokus des Pferdes wieder und stelle die Frage erneut.

👉 Wenn ich möchte, dass mein Pferd meine Bewegung spiegelt, darf ich meine Bewegung nicht von der des Pferdes entkoppeln. Sonst kommt es nicht hinterher und wird mich ignorieren.

Auf diese Weise konnte ich Charlie innerhalb von wenigen Minuten auf den Reitplatz führen. Und nicht nur das. Ich hatte ein aufgeschlossenes, motiviertes Pony an meiner Seite. Das funktioniert aber natürlich nur, wenn du keinen Druck anwendest.

Deshalb schauen wir uns jetzt an, was es noch braucht, damit die Geflüsterten Fragen dein Pferd fokussierter, motivierter, feiner in seinen Reaktionen und aktiver machen.
 
 

Das entscheidende Werkzeug: Was du brauchst, damit dein Pferd auf deine Körpersprache reagiert

Gerade wenn dein Pferd bisher auf deine Frage noch mit einem starken Nein reagiert, wenn es sich fest macht und Widerstand leistet, musst du deinem Pferd eines zeigen: Dass es sich lohnt, auf deine Fragen zu reagieren.

Das geht am praktischsten mit Clickertraining.
 


Wenn du dich in dieses Thema noch nicht eingelesen hast, kannst du das hier tun:

Basics Clickertraining: Konditionierung
Basics Clickertraining: Präzises Pferdetraining mit dem Markersignal
Basics Clickertraining: Höflichkeit und Futterlob

Und wenn du berechtigte Einwände gegen die Arbeit mit Futterlob hast, kann ich dir einige Bedenken womöglich mit diesem Artikel nehmen:

Leckerlie fürs Pferd – 7 Gründe, die dagegen sprechen hinterfragt


 
Das Futterlob nutzen wir als Anreiz, damit das Pferd überhaupt einen Sinn darin sieht, unseren Ideen eine Chance zu geben. Das ist vor allem wichtig, wenn das Pferd einer Situation oder Aufgabe gegenüber skeptisch ist. So wie Charlie sich unsicher war, ob es eine gute Idee sein würde, mit mir auf den Reitplatz zu gehen – was aus Sicht eines ehemaligen Schulpferdes ja ganz plausibel ist.

Entscheidend, damit das Pferd durch die Geflüsterten Fragen auftaut, ist das richtige Timing mit dem Markersignal (z.B. dem Click)!

Du möchtest die miniminikleine Reaktion/Bewegung deines Pferdes bestärken – und nicht den Moment, in dem es schon wieder da steht und nix tut. Subtile Aktivität statt Passivität.

Mit Charlie habe ich deshalb sehr darauf geachtet, wirklich genau in dem Moment zu clicken, in dem er meiner Bewegung gefolgt ist.

Jetzt weißt du, wie du damit umgehen kannst, wenn dein Pferd deiner Frage nicht folgt, parkt und nicht weitergehen will. Die Geflüsterten Fragen können aber noch viel mehr!
 
 

Die Geflüsterten Fragen in der Bodenarbeit mit Pferd

Wenn du diese Situation mit den Geflüsterten Fragen meisterst, dann hast du die zentimeterweisen Bewegungen danach wahrscheinlich für dich entdeckt. Aber hab auch mit dir selbst Geduld. Es ist gar nicht so einfach, seine Bewegung nicht vom Pferd zu entkoppeln und zugleich eine klare Frage zu stellen.

Die Geflüsterten Fragen sind ein tolles Werkzeug, um deinem Pferd die verschiedensten Aufgaben zu erklären.

Mit den Geflüsterten Fragen kannst du eure Bodenarbeit abwechslungsreich gestalten. Und eure Kommunikation um Welten verfeinern. Einfach, weil du viel feiner wirst und dadurch viel präziser mit deinem Pferd an verschiedensten Aufgaben arbeiten kannst.

All das ist Teil eurer körpersprachlichen Kommunikation, die du in der Bodenarbeit wunderbar erarbeiten kannst.
 

Du brauchst noch mehr Wissen und Ideen Zur sanften Bodenarbeit?

10 Bodenarbeitsübungen in einem PDF - inklusive Reflexionsfragen für eure nächste Einheit

Erfahre, wie Bodenarbeit für die Beziehung zu deinem Pferd mehr bringen kann als Abwechslung. Spaß am Training, Feintuning eurer Kommunikation und dein Pferd zum Strahlen bringen.


 
 

Wie du deine körpersprachliche Kommunikation mit deinem Pferd mit dieser Bodenarbeitsübung immer weiter ausbauen kannst

Mit Charlie habe ich die Bodenarbeitsübung “Geflüsterte Fragen” genutzt, um ihm zu zeigen, dass gemeinsam Losgehen eine gute Idee ist. Danach konnte ich dieselbe Übung für die weitere Bodenarbeit ausbauen. Indem wir über unsere Position zueinander, die Richtung und das Tempo kommuniziert haben. Später konnten wir auch an der Schulterbalance arbeiten und ein stabileres Gangbild und dadurch mehr Harmonie zwischen uns erreichen.

Die Geflüsterten Fragen sind erstmal eine Bodenarbeitsübung für DEIN Körperbewusstsein und deine Körpersprache. Wenn du sie beherrschst, kannst du sie einsetzen, um alles mögliche zu kommunizieren – ohne weitere Hilfsmittel wie Seil oder Gerte.
 

Aber mit welchen Fragen kannst du anfangen?

Hier ein paar Vorschläge:

  • ein Vorderbein nach vorn setzen
  • sich nach vorn dehnen
  • den Kopf ganz leicht nach Innen stellen
  • das Gewicht etwas nach hinten verlagern
  • mit den Schultern einen Schritt in deine Richtung machen
  • Losgehen
  • einen Schritt rückwärts machen
  • mit der Hinterhand einen Schritt seitlich auf dich zu machen
  • in der Vorwärtsbewegung mit Schultern oder Hinterhand einen Schritt nach außen (von dir weg) machen
  • den Kopf anheben

Wenn du mit deinem Pferd auf diese Weise arbeitest, wird es lernen dir zuzuhören und zugleich in seinen eigene Körper hineinzuspüren. Und nebenbei entwickelt ihr eure ganz eigene Körper-Sprache.

Ganz ohne Druck. Das ist das Ergebnis eines Miteinanders, das auf Sanftheit und Freiwilligkeit aufbaut und dem Pferd ganz gezielt die Möglichkeit gibt, sich ins Training einzubringen. So sieht man auch bei anfangs skeptischen Pferden wie Charlie schnell ein Funkeln in den Augen.
 


Ebenso geeignet ist diese Bodenarbeitsübung für verschlossene, introvertierte Pferde. Eine weitere gute Übung für diese Pferde ist Das Kleinste Angebot:

Das Kleinste Angebot – Eine Übung, um introvertierte Pferde zu motivieren


 
 

Fazit: Wo die Reise hingehen kann

Inzwischen kommt Charlie ganz von selbst zu mir auf den Reitplatz, wenn er mich mit Nathan trainieren sieht. Auch Vorwärts ist kein Problem mehr. Manchmal trabt er hinter mir her, bevor ich ihm überhaupt die erste Frage gestellt habe 💫.
 

Seine Skepsis in Enthusiasmus zu verwandeln konnte nur deshalb so schnell gelingen, weil ich ihm keinen Druck gemacht habe. Ich habe ihm lediglich solche Fragen gestellt, die er leicht mit Nein hätte beantworten können – aber eben ebenso leicht mit Ja.

Das bedeutet nicht, dass ich auf ewig auf Zehenspitzen um ein Pferd herumschleiche und ja jeden Druck vermeide, wenn ein Pferd damit schlechte Erfahrungen gemacht hat. Stattdessen ist das nächste Ziel mit Charlie, ihm zu zeigen, dass Druck nicht mehr zu negativen Erfahrungen führt. Wie er mit Druck umgehen kann, ohne sich zu verschließen. Dass es sicher ist, nachzugeben.

Mit viel Fingerspitzengefühl können Pferde an dem wachsen, was sie bisher als beängstigend, unangenehm oder zu einengend wahrnehmen.
 

Genug von Alltagskampf und Trainingszwang?

Lass uns das Miteinander mit deinem Pferd so sanft gestalten, wie es DIR gefällt.

Was braucht es wirklich, damit du nicht mehr wahlweise frustriert oder hilflos vom Stall nach Hause fahren musst??? 

Um das herauszufinden, müssen wir nicht mal im selben Bundesland wohnen, denn:

DU bist Expert*in für dein Pferd und dich. Und euren Weg.

Kombiniere das mit…

🌿 unseren 10+ Jahren Sanftheits-Erfahrung,
🌿 extra für sensible Pferdemenschen verfeinerte Werkzeuge&Techniken 
🌿 und der Kraft eines bewussten “Ich-gehe-das-JETZT-an”.

Und schon erschaffst du nach unserem Klarheitsgespräch ein Miteinander mit deinem Pferd, das sich nach sonnigen Oktobertagen und selig in Ponymähne vergrabener Nase anfühlt. 

(Bitte einmal tief einatmen und den Gedanken genießen, dass DAS euer neues Normal sein könnte 😍!)

Anderthalb Stunden mit uns, nach denen es dir so in den Fingern kribbelt, dass du am liebsten sofort zum Stall fahren würdest. “Äh, ich bin dann nochmal kurz am Stall 👋…” (wir wissen beide, wo das endet – aber was soll’s, wenn du danach mit einem fetten Grinsen zu deinen Liebsten nach Hause zurückkommst 😅).


 

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