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Kannst du Chef*in UND Freund*in sein? – Über deine Rolle in der Pferd-Mensch-Beziehung

“Ich will beides!”, war ihre trotzige Antwort auf meine – zugegeben, aus ihrer Sicht ziemlich alberne – Frage.

Willst du Chefin sein oder willst du eine Freundschaft mit deinem Pferd?

Ihre Antwort trifft den Kern des Problems:

Wir hätten gern beides. Dass vieles einfach funktioniert. Dass unsere Pferde einfach mitmachen. Motiviert sind. Brav und kooperativ.

Wir wollen spazieren oder ausreiten gehen, wenn uns danach ist. Und dass wir dabei entspannen können. Wir wollen auf dem Platz arbeiten können, an Lektionen, die uns interessieren und gefallen.

Wir wollen, dass das Führen, die Hufbearbeitung, die Impfung und das Putzen harmonisch verläuft. Ohne dass wir uns große Gedanken um solche Alltäglichkeiten machen müssten.

UND wir wollen eine Freundschaft mit unseren Pferden. Wir wollen, dass sie uns mögen, und gern Zeit mit uns verbringen und Spaß haben.

Wir wollen, dass manches einfach funktioniert. UND wir wollen ein echtes Miteinander. Eine Freundschaft mit dem Pferd.

Aber geht beides?
 
 

Das Traumbild…

Womöglich stehst du gerade an der Schwelle zu einer anderen Pferdewelt. Der Schwelle zwischen konventionellem Umgang, in dem Pferde einfach funktionieren müssen. Und einem Umgang, in dem Rücksicht genommen und die Pferde nach ihrer Meinung gefragt werden.

Vielleicht machst du gerade deine ersten Schritte oder steckst schon mitten drin.

Und wahrscheinlich hast du ein Bild davon, wie dieser neue Umgang aussehen sollte.

Ich hatte dieses Bild auf jeden Fall 🦄:

Das Bild eines gut gelaunten, motivierten Pferdes, das mit mir durch Dick und Dünn gehen würde. Denn ich war ja jetzt lieb und nett. Denn ich machte keinen Druck mehr, zwang nicht mehr.

Wir würden gemeinsam durchs Gelände streifen, tänzerisch und ohne Seil über den Platz schweben und ja – reiten, aber eben während ich der Meinung des Pferdes Raum gab.
 
 

…und die Realität

Lass uns einen Schritt zurücktreten von dieser Traumvorstellung und sie mit der Realität (oder was wir dafür halten) abgleichen.

Denn in dieser Realität beginnst du erstmal damit, dein Pferd wahrzunehmen. Ganz neu und ungeschönt. Du siehst hin und was du siehst ist ganz ganz oft erstmal ein Schlag ins Gesicht.

Vielleicht siehst du Schmerzen (so so viele Pferde haben unerkannterweise Schmerzen). Unzufriedenheit, Unwohlsein, Ärger, Widerstand. Eine völlig in sich zurückgezogene Seele, abgekoppelt von ihrem Körper und dem Leben im jetzigen Moment. Vielleicht siehst du ein riesiges, lautes Nein. Oder ein resigniertes Okay zu jedem Kommando.

Wenn wir uns erstmals erlauben zu sehen, was uns aberzogen wurde wahrzunehmen, ist die Realität weit entfernt von entspannten Ausritten. Von tänzerischer Freiarbeit. Von Verbundenheit und Freundschaft.

Hoffentlich bist du zuversichtlich und mutig und entscheidest dich dennoch, diesen Weg weiterzugehen 🥾⛰.

Doch je weiter du dich auf diese Reise begibst, desto mehr fragst du dich:

Werden wir je wieder “einfach” irgendetwas tun?
Ohne dass ich tausend Gedanken daran verschwende, wie es meinem Pferd damit geht?
Ob es okay ist, das so zu machen?

 
 

Was folgt, sobald du siehst

Für eine lange Zeit wirst du viel Mühe dahinein stecken, deinem Pferd Raum zu geben.

Raum für seine Empfindungen.

Raum für seine Meinung.

Raum für seine Ideen und das klitzekleine Funkeln, das nach und nach wieder in seine Augen tritt, wann immer es eine dieser Ideen präsentiert und merkt – das ist jetzt okay. Das ist erlaubt und sogar willkommen geheißen ❤️.

Für eine mehr oder weniger lange Zeit wirst du zurücktreten. Dich in Geduld üben, während dein Pferd lernt Nein zu sagen. Während du lernst, dieses Nein in ein echtes Ja zu verwandeln.

Für eine mehr oder weniger lange Zeit wirst du dich immer immer wieder fragen: Mache ich das richtige? Geht es meinem Pferd gut damit? Was hat dieser Blick zu bedeuten?

(Vielleicht fragen wir uns das ab jetzt auch einfach für immer…)

Du fühlst ohnehin viel. Und wenn du dich den Empfindungen deines Pferdes öffnest und dir Freude und Fröhlichkeit für dein Pferd wünschst – und stattdessen Traurigkeit, Ärger oder Schmerz wahrnimmst, wirst du dich fragen:
 

Was habe ich falsch gemacht? Was mache ich falsch?

 
Warum können wir nicht einfach…?
 
 

Die Anderen können doch auch einfach

Warum können WIR nicht einfach das machen, was für alle anderen so selbstverständlich ist?

(Weil es für sie nur selbstverständlich sein kann, weil sie nicht hinschauen und nicht nachfragen.)

Und das ist der Punkt, an dem du deine Gedanken bitten musst, langsamer zu machen. An dem du erneut zurücktreten und das große ganze Bild anschauen musst.
 

Erinnere dich an das Funkeln in den Augen deines Pferdes. Daran, dass “frech sein” lebendig und sicher und selbstbestimmt sein bedeutet und dass dein Pferd das jetzt erleben darf. Mit dir.

 
Nein. Ihr könnt all das nicht mehr “einfach” tun.

Das “einfach” von früher ist erstmal Geschichte.

Einfach ist aber auch die Zukunft.
 
 

Was geschieht, bevor es einfach wird

Erstmal wird alles komplizierter. Weil Fäden verknoten, die du neu sortieren willst.

Was bedeutet Führung? Jetzt. Aus dieser neuen Perspektive betrachtet? Wie sorgst du für Sicherheit? Wie respektierst du ein Nein, wenn du es nicht stehenlassen kannst? Wie setzt du Grenzen? Setzt du Grenzen? Was ist mit deinen Wünschen? Wo ist die Motivation hin – und wie bekommt ihr sie zurück gelockt?

Du wirst dran ziehen, bis die Knoten immer fester werden und du erkennst, dass du deinen Griff lockern musst. Dass du nicht jede Frage jetzt sofort beantworten und nicht alles perfekt machen musst. Dass jeder Faden mit der Zeit an seinen neuen Platz finden wird. Und keine Ordnung endgültig ist.

Du entwickelst Antworten. Und verwirfst sie wieder. Du stellst Fragen, die sich von allein beantworten. Und solche, auf die du nie eine befriedigende Antwort findest. Probleme kommen und gehen. Ihr dreht euch im Kreis, ihr macht einen Schritt vor und zwei zurück.
 
 

Und irgendwann…

Und irgendwann merkst du, dass nichts perfekt ist. Aber doch so vieles wieder “einfach” geworden ist. Einfach funktioniert.

Wie dein Pferd auf dich zu kommt, seinen Kopf von selbst ins Halfter steckt. Dir folgt, ohne dich durch die Gegend zu ziehen und dennoch neugierig in die Welt zu blicken. Wie einfach du dein Pferd frei putzen kannst und wie selbstverständlich es dir dabei sagt, wo es die Berührung mag. Und wo nicht. Wie ihr einfach durchs Gelände streift, wie mutig dein Pferd geworden ist. Wie selbstverständlich du zuhörst und seine Bedürfnisse siehst und für sie sorgst.

Wie einfach es ist, das Reiten wieder aufzunehmen.

Wie du das erste Mal wieder auf deinem Pferd sitzt und es nicht einfach “funktioniert”. Sondern aktiv zuhört. Aktiv Vorschläge macht. Wie dein Pferd die Verbindung zu dir sucht und eure Kommunikation einfach weiter fließt und du sofort verstehst als es dir sagt, dass es jetzt genug ist und du absteigst.

Und ihr beide einfach zufrieden seid. Erfüllt und verbunden und auf eurem Weg angekommen.
 
 

Also – kannst du beides sein? Chef*in und Freund*in?

Es gibt keine simple Antwort.

Und über die Jahre habe ich erkannt, das diese Frage nicht besonders präzise ist. Was ist ein Freund? Was zeichnet eine Chefin aus? Und aus Pferdesicht? Ich weiß es nicht.

Die Frage, die meine Entscheidungen aber stets in Richtung Verbundenheit leiten kann, ist diese:

✍️ Was braucht jetzt gerade Raum? Was will gesehen werden?

Manchmal (viel öfter als man vermuten würde) kann ich das geben.

Wenn ich nur bewusst im Moment bin. Wenn ich nur nachfrage, statt “einfach” zu machen. Statt einfach allein zu entscheiden. Und manchmal gelingt es mir nicht.

Mit den Jahren lerne ich, dass das okay ist. Dass “auf Augenhöhe” ein Ideal ist, das ich nie ganz erreichen werde. Dass ich immer mehr Macht haben werde, als die Pferde. Und dass ich das nur ausbalancieren kann, indem ich Verantwortung übernehme und sie nutze, um Räume zu öffnen, in denen die Pferde sich zeigen können.
 

Genug von Alltagskampf und Trainingszwang?

Lass uns das Miteinander mit deinem Pferd so sanft gestalten, wie es DIR gefällt.

Was braucht es wirklich, damit du nicht mehr wahlweise frustriert oder hilflos vom Stall nach Hause fahren musst??? 

Um das herauszufinden, müssen wir nicht mal im selben Bundesland wohnen, denn:

DU bist Expert*in für dein Pferd und dich. Und euren Weg.

Kombiniere das mit…

🌿 unseren 10+ Jahren Sanftheits-Erfahrung,
🌿 extra für sensible Pferdemenschen verfeinerte Werkzeuge&Techniken 
🌿 und der Kraft eines bewussten “Ich-gehe-das-JETZT-an”.

Und schon erschaffst du nach unserem Klarheitsgespräch ein Miteinander mit deinem Pferd, das sich nach sonnigen Oktobertagen und selig in Ponymähne vergrabener Nase anfühlt. 

(Bitte einmal tief einatmen und den Gedanken genießen, dass DAS euer neues Normal sein könnte 😍!)

Anderthalb Stunden mit uns, nach denen es dir so in den Fingern kribbelt, dass du am liebsten sofort zum Stall fahren würdest. “Äh, ich bin dann nochmal kurz am Stall 👋…” (wir wissen beide, wo das endet – aber was soll’s, wenn du danach mit einem fetten Grinsen zu deinen Liebsten nach Hause zurückkommst 😅).


 

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