Hilfe, mein Pferd beißt!

 In Pferdetraining, Problemlösung

Warum beißt ein Pferd? – Ursachen erkennen

In den Ursachen eines Problems liegt gleichzeitig der Schlüssel zu seiner Lösung. Daher möchte ich hier ausführlich auf einige der möglichen Ursachen für das Beißen eines Pferdes eingehen.

 

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Futterlobwarum es keine Ausrede ist

Futterlob möchte ich als Ursache zunächst aus der Auflistung streichen. Auch wenn manch einer genau an dieser Stelle vielleicht ein Plädoyer gegen den Einsatz von Futterlob im Pferdetraining erwarten mag, so kann ich diesen Punkt keinesfalls aufnehmen.

Es ist zwar einerseits korrekt, dass es Pferde gibt, die aufgrund des unbedachten Einsatzes von Leckerchen angefangen haben zu beißen. Jedoch kann man weder den Leckerlies an sich noch dem Pferd oder dessen Charakter den schwarzen Peter zuschieben: Ursache hierfür ist ganz klar das Missmanagement des Menschen.

Jedes (!) Pferd kann lernen mit Leckerlies höflich und behutsam umzugehen und zwar ohne den Einsatz von Gewalt oder Strafen. Im diesem Beitrag erfährst du, wie das geht. Erkläre mir, wie das geht!

Futterlob hat sehr viele positive Eigenschaften, jedoch kann es mit der falschen Intention und fehlendem Wissen genauso missbraucht werden wie etwa eine Gerte oder ein Halfter.

Du hast bereits angefangen, Futterlob im Training einzusetzen und hast nun Probleme, weil dein Pferd wie wild Lektionen aspult, dich bedrängt oder sogar beißt? Keine Sorge, in unserer Online-Begleitung findest du Unterstützung bei genau diesem Problem. Ich brauche Hilfe, mein Pferd ist ein Cookie-Monster!

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Aggression und Dominanz – der Grund für Beißen? 

Als ersten und offensichtlichsten Grund denken die meisten von uns wahrscheinlich an Aggression als Ursache für das Beißen. Auch der Begriff Dominanz taucht in diesem Zusammenhang oft auf.

Möchte ein beißendes Pferd dem Menschen gegenüber einfach nur seine Rangposition beweisen?

Tatsächlich gibt es einige Punkte, die gegen dieses Konzept sprechen. Zum einen ist die Idee der klaren Hierarchie oder Rangordnung zwischen den Pferden aufgrund von Situationen entstanden, in denen Ressourcenknappheit herrscht und eine Art “Verteilungsschlüssel” benötigt wurde. Da wir Menschen aber nicht um dieselben Ressourcen wie Pferde konkurrieren, kommen wir uns nicht ins Gehege und benötigen daher auch keine Rangordnung.

Es liegt nicht in der Natur des Pferdes mit uns eine Rangordnung abklären zu wollen.

Zum anderen ist die Idee, das Beißen sei eine Art Charaktereigenschaft eines “dominanten” Pferdes, viel zu einfach gedacht. Diese Art von Erklärung übersieht nämlich, dass Dominanz im pferdischen Verhalten immer auf Situationen beschränkt ist und somit keine Charaktereigenschaft beschreibt.

Es gibt immer einen klaren Auslöser für dominantes Verhalten (meist Ressourcenknappheit und Stress). Ein Pferd, welches nach dem Menschen beißt, hat also immer einen Grund für dieses Verhalten und ist nicht per se “dominant gegenüber Menschen”.

Frust, Überforderung und körperliche Schmerzen

Ich behaupte, dass der häufigste Grund für das Beißen und auch andere sogenannte Unarten wie Buckeln oder Austreten eine Form des Unbehagens ist. Sei es Überforderung, Frust oder körperliche Schmerzen.

Leider haben unsere Pferde keine verbale Sprache, worüber sie uns mitteilen könnten, was ihnen unangenehm ist. Daher müssen sie auf Körpersprache in steigender Intensität zurückgreifen, wenn sie ihre “Stimme erheben” wollen.

Keinesfalls sollten wir daher ein Verhalten des Pferdes als “Unart” abtun

Wir sollten dieses Verhalten ernst nehmen und uns bemühen, die Ursachen herauszufinden. Ignorieren oder bestrafen wir es lediglich, überschreiten wir damit schlimmstenfalls eine Schmerzgrenze.

Warum Strafen nie eine gute Lösung darstellt, erfährst du in diesem Beitrag von Anni: Warum ist Strafen so schlimm? 

Mentaler Stress

Auch mentale Stressoren können das Beißen provozieren. Ein Pferd, das unter hohem Druck steht und gleichzeitig die gestellte Aufgabe nicht erfüllen kann, reagiert meistens mit Stress.

Durch Beißen versuchen manche Pferde diese Anspannung abzubauen. Das Verhalten wird als Ventil genutzt. Häufig stecken körperliche Ursachen hinter dem Unvermögen, eine Aufgabe zu lösen. Aber auch ganz einfach fehlendes Verständnis der Aufgabe, zu große Schritte im Lernprozess und ungenügende Zeit zum Nachdenken können hierfür Ursachen sein.

In diesem Artikel erklären wir dir, wieso Pferde so oft negative Emotionen im Training erleben: Positive Verstärkung gleich positive Emotionen?

Verspieltes Schnappen bei Jungpferden

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Ein letzter möglicher Punkt, von dem am meisten Pferdebesitzer mit Schützlingen zwischen einem und vier Jahren ein Liedchen singen können, ist das verspielte Beißen und Schnappen. Jungpferde, vor allem aber Wallache und Hengste, haben einen sehr starken Drang alles mit ihrem Maul, Zähnen und Nüstern zu erkunden.

Dabei wird auch vor Menschen meist nicht Halt gemacht – denn Jungpferde hatten noch nicht ausreichend Gelegenheit, die Unterschiede im angemessenen Verhalten gegenüber anderen Pferden und den viel zerbrechlicheren Menschen zu lernen. Bei vielen Pferden legt sich dieses Verhalten mit zunehmenden Alter, aber manche Pferde bleiben ihr Leben lang “Spielkinder”.

 

Strafe als Lösung?

Je nach Veranlagung des Menschen und je nach Situation wird auf ein beißendes Pferd meist mit Strafe reagiert. Die Bandbreite reicht hier von lautem Schimpfen über nach dem Pferd schlagen bis hin zu minutenlangem durch-die-Halle-hetzen um klar zu machen, dass dieses Verhalten ein absolutes No-Go ist.

Oft geschieht dies aus einem instinktivem Bedürfnis nach Schutz des eigenen Körpers heraus – aber auch die Annahme, dass das Pferd ansonsten mit diesem Verhalten “durchkommen” könnte, nährt das sofortige und oft unbewusste Strafen.

Was ist die Folge des Einsatzes von Strafe bei einem beißenden Pferd?

Eines der Hauptprobleme von Gegenreaktionen wie verbaler oder körperlicher Strafe ist, dass wir das Verhalten lediglich unterdrücken. Die Ursache wird dadurch in keiner Weise verändert. Das Grundproblem muss sich auf Dauer andere Wege suchen, um an die Oberfläche zu gelangen – das Pferd kompensiert also lediglich seine Aggression, seinen Schmerz oder seinen Stress und drückt sie in einem anderen Bereich aus.

Ein weiteres Problem ist, dass wir in der Beziehung mit unseren Pferden immer eine gewisse Vorbildfunktion innehaben. Indem wir mit Wut und Ablehnung auf ein Verhalten reagieren, machen wir dem Pferd unterbewusst vor, was wir als normal und angemessen in unserer Interaktion empfinden. Wir müssen uns daher nicht wundern, wenn unser Pferd sich über die Zeit ebenfalls wenig achtsam uns gegenüber verhält und statt Rücksicht zu nehmen eher mit Gegenwehr reagiert.

Der Satz: “Pferde gehen ja auch so miteinander um” hilft dabei leider auch nicht weiter, denn die Realität in einer Hauspferde-Herde liefert nur wenig Aufschluss über die eigentliche Natur von Pferden. Vielmehr besteht in Wildpferdeherden der größte Teil des Miteinanders aus positiven Interaktionen (siehe van Dierendonck & Spruijt.).

Bei unseren Hauspferden herrscht hingegen oft Ressourcenknappheit und haltungsbedingtem Stress – wodurch wir bei vielen domestizierten Pferden häufiges aggressives Verhalten den Artgenossen gegenüber beobachten können.

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Wie kann man auf ein beißendes Pferd sanft und gewaltfrei reagieren?

  • Beißen beim Putzen: Dein Pferd beißt, wenn du es am Bauch putzen möchtest? Die Funktion des Verhaltens “Beißen” in diesem Fall ist, dass du damit aufhörst, eine unangenehme Stelle zu putzen. Du könntest deinem Pferd das Bedürfnis, achtsamer an dieser Stelle geputzt zu werden erfüllen, indem du einfach das nächste Mal sehr sanft dort putzt und vor allem die Reaktionen in der Mimik genau beobachtest. Außerdem kannst du dein Pferd so vorsichtig desensibilisieren, denn es ist natürlich wichtig, es dort berühren zu können.
  • Schnappen aus Futterstress: Hier geht es einerseits um das Training von Futter-Regeln . Doch auch das Hungergefühl des Pferdes spielt eine Rolle. Ein Pferd, das vor dem Training stundenlang kein Raufutter bekommen hat, wird naturgemäß sehr viel eher schnappen. Hier kann man leicht eine Alternative schaffen, indem man das Pferd beispielsweise vor dem Training mit Heu füttert und besonders “unleckeres” Futter verwendet.
  • Beißen im Spiel: Schnappt ein Pferd gerne spielerisch, dann kann ich einen langen Atem und eine gehörige Portion Humor empfehlen. Wie oben erwähnt, haben wir eine Vorbildfunktion inne. Wir können diese zu unserem Vorteil nutzen, indem wir uns ganz bewusst so verhalten, wie wir es auch von unserem Gegenüber wünschen würden. Das heißt: Bedränge selbst dein Pferd nicht, sei ein höflicher Mensch. Wird dein Pferd dennoch zu aufdringlich, bringe durch eine physische Barriere wie einen Zaun oder eine Stange Abstand zwischen euch und lobe es ausgiebig, wann immer es deinen Raum achtet. Übe auch das Wegschicken auf Fingerzeig.
  • Beißen aus Überforderung und Stress: In diesem Fall löst du das Problem am nachhaltigsten, indem du genau diese Ursachen abstellst. Bei Überforderung könntest du einige Schritte zurück gehen und mit einer sehr kleinen Stufe des Verhaltens anfangen und so die Wahrscheinlichkeit für Erfolgserlebnisse erhöhen. Bei Stress solltest du darauf achten, dass du nur so weit gehst, wie dein Pferd sich noch konzentrieren kann. Ist es zu gestresst, kann es dir nicht mehr zuhören und reagiert wahrscheinlicher über.
Gehe immer zu dem Punkt zurück, an dem du noch ein “Ja” von deinem Pferd bekommen kannst.

Von dort aus kannst du dich wieder langsam vortasten und dabei sehr achtsam für die Signale deines Pferdes sein. Zeigt es Anzeichen von Unwohlsein, dann nimm dir Zeit und gehe erst weiter, wenn das Pferd die Aufgabe verstanden hat und sie lösen kann. Lieber viele kleine Erfolge, als wenige zu große Schritte.

 

Die Reaktion auf ein beißendes Pferd ist eine Frage der eigenen Philosophie

Grundsätzlich möchte ich dir ans Herz legen, immer zu prüfen, ob dich das Verhalten tatsächlich stört. Mich zum Beispiel hat es nie gestört, wenn Nathan beim gemeinsamen Spielen leicht in meine Jackentasche gekniffen hat – denn er kennt sehr gut den Unterschied zwischen meinen Finger und der Tasche.

Warum sollte ich ihm dieses Verhalten also verbieten und versuchen abzutrainieren? Etwa, weil es in den Augen anderer Menschen vielleicht unhöflich erscheint? Für mich ist das schon lange kein guter Grund mehr.

Daher frage dich selbst:

Wie wichtig ist es dir persönlich, das Verhalten zu ändern?

Was erlaube ich mir und meinem Pferd, selbst wenn es nach außen hin vielleicht nicht vorzeigbar wirkt? 

Wir sind so darauf programmiert, anderen Menschen gefallen und sie vielleicht auch beeindrucken zu wollen, dass wir dabei oft unsere Intuition überhören.

Es gehört Mut dazu, dieser Stimme Raum zu geben und ihren Rat auch entgegen vorherrschender Meinungen zu befolgen.

Du darfst deine eigenen Regeln festlegen und liegst damit nicht richtiger oder falscher als jemand anderes, der dieses Verhalten vielleicht nicht sehen möchte.

Du wohnst im Großraum Düsseldorf/ Köln/ Essen, legst Wert auf ein sanftes Training ohne Gewalt/ viel Druck und suchst Unterstützung bei der Bodenarbeit mit deinem schnappenden oder beißenden Pferd? Dann schau mal auf unserer >>Unterrichtsseite vorbei. Dort findest du eine Möglichkeit, dein Interesse bei uns anzumelden und so vielleicht schon bald mit uns zusammenzuarbeiten!

In diesem Sinne hoffe ich, dass der Text für dich hilfreich war. Wenn du noch Fragen zu dem Thema hast und deinen konkreten Fall teilen möchtest, dann schreibe uns gerne einen Kommentar oder eine persönliche E-Mail an flourishalona@gmail.com.

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