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Wieso sich dein Pferd nicht vom Hof führen lässt – 4 Gründe, an die du noch nicht gedacht hast

Während dein Pferd sich weigert, allein mit dir von der Herde wegzugehen, beobachtest du, wie die anderen Reiter problemlos mit ihren Pferden vom Hof reiten oder allein spazieren gehen. Als wäre es nichts. Dein Pferd hingegen lässt sich nur mit großer Mühe überreden.

Du bist mit diesem Problem nicht allein.

Viele Pferde lernen, sich besser nicht zu widersetzen. Deshalb erscheint es uns merkwürdig, wenn unsere Pferde sich so standhaft weigern. Als würden wir etwas falsch machen.

Dass dein Pferd sich weigert, zeigt aber, dass du in eurer Beziehung einiges richtig machst:

Du gibst deinem Pferd ein Mitspracherecht.

Dein Pferd kann und darf seine Bedürfnisse ausdrücken.
 

Aber was hat das damit zu tun, dass dein Pferd am Stall klebt?

 
Für Pferde ist es keine Kleinigkeit, allein die Herde zu verlassen. Ohne den Schutz der Herde ist ihr Überleben in Gefahr. Ein Spaziergang ist für viele Pferde deshalb eine große Herausforderung. Spazieren gehen verlangt Pferden Mut und Selbstvertrauen – UND Vertrauen zum Menschen – ab.

Um das Problem zu lösen, musst du das Problem verstehen.

🔎 Lass uns heute genauer anschauen:

Welche Punkte tragen dazu bei, dass dein Pferd sich nicht einfach vom Hof führen lässt? Und wieso macht ihr keine Fortschritte, obwohl ihr so viel übt?

 
 

Wie du erkennst, ob dein Pferd auf Spaziergängen gestresst ist

Hat dein Pferd Stress, wenn ihr gemeinsam rausgeht?

Wenn du folgende Symptome wahrnimmst, fühlt sich dein Pferd auf Spaziergängen unwohl:

  • eine große Körperspannung
  • eine dauerhaft hohe Kopfhaltung mit festem Hals
  • Sorgenfalten, aufeinander gepresste Lippen, geblähte oder krause Nüstern
  • hektische Bewegungen
  • ständiges Einfrieren und nicht Weitergehen wollen
  • gegen den Menschen “rüpeln”

Fühlt dein Pferd sich unwohl, möchte es die Situation so schnell wie möglich verlassen. Damit wird der schönste Teil des Spaziergangs der Punkt, an dem ihr wieder am Stall ankommt. Dein Pferd verspürt Erleichterung.

Diese Empfindung treibt dein Pferd beim nächsten Spaziergang an, wieder möglichst schnell zum Stall zurückzugehen.

Diesen Kreislauf musst du durchbrechen.

Wie?

👉 Indem du deinem Pferd den Stress nimmst und ihr ein neues Gefühl mit Spaziergängen assoziiert.
 
 

Die Waage der Erfahrungen – Mit welchem Gefühl startet ihr in eure Spaziergeh-Übungseinheiten?

Wenn es um das Thema Motivation des Pferdes geht, veranschauliche ich diese gern mit folgendem Bild:

Stell dir eine Waage mit zwei Schalen vor. Schlechte Erfahrungen landen auf einer Seite dieser Waage und drücken die Schale runter. Gute Erfahrungen legen sich auf die andere Waagschale.

Wodurch zeichnet sich eine schlechte Erfahrung aus?

Dein Pferd erlebt ein unangenehmes Gefühl. Und es assoziiert dieses Gefühl mit der Situation, Aufgabe oder Umgebung.

Macht dein Pferd mit einer Aufgabe oder Situation viele negative Erfahrungen, sinkt die Motivation. Assoziiert dein Pferd positive Empfindungen mit einer Aufgabe, steigt die Motivation.

Ein weiterer Nachteil, wenn sich negative Erfahrungen anhäufen:

Dein Pferd startet bereits mit der Erwartung in die nächste Übungseinheit, dass es sich in der Situation wieder unwohl fühlen wird!

Und das gilt natürlich auch für dich.

Startet ihr mit einem schlechten Gefühl, wenn du nur das Halfter holst, mit dem ihr immer spazieren geht? Reagiert dein Pferd hier schon angespannt, unruhig oder widersetzt sich? Bekommst du schon jetzt einen Knoten im Bauch und Herzklopfen?
 
 

Deine Aufgabe, wenn dein Pferd nicht allein mit dir spazieren geht

Ist das der Fall, stehst du vor dieser schwierigen Aufgabe:

Du musst deinem Pferd beweisen, dass Spaziergänge eine coole Sache sind.

Weil ihr beide aber negative Erwartungen an Spaziergänge habt, kommt schon beim Gedanken daran ein schlechtes Gefühl auf. Das macht es schwer, ein schönes Erlebnis zu erschaffen.

Aber dieses Erlebnis braucht ihr dringend (viele davon) als Gegengewicht auf der Waage!

Das Best-Case-Scenario:

Schaffst du es, positive Erfahrungen zu kreieren, kann das eine Aufwärtsspirale in Gang setzen:

  1. Dein Pferd hat auf Spaziergängen erstmals ein gutes Gefühl.
  2. Das wiederholt sich einige Male.
  3. Eine neue Erwartung entsteht.
  4. Dadurch startet ihr mit jedem Mal mit einem besseren Gefühl und es wird immer leichter, dieses gute Gefühl mit euren Spaziergängen zu assoziieren.
  5. Die Motivation deines Pferdes mit dir spazierenzugehen steigt.

 
 

Das Ziel für die nächsten Übungseinheiten – Damit dein Pferd bald nicht mehr an der Herde klebt

Das Ziel für eure nächsten Übungseinheiten besteht einzig und allein darin, positive Erfahrungen für dein Pferd zu erschaffen.

Wenn ihr das nächste mal allein auf einen Spaziergang geht, soll dein Pferd soll die Schlussfolgerung ziehen, dass das eine gute Idee war (oder zumindest keine schlechte!).

Wenn du diese Aufgabe meisterst, geht dein Pferd mit der Zeit mit einer immer positiveren Erwartung mit dir vom Hof. Es entspannt sich, empfindet weniger inneren Widerstand und kann dir leichter folgen.

Um diese allererste Aufgabe zu meistern, musst du verstehen, was die unangenehmen Empfindungen deines Pferdes verursacht.

Die vier häufigsten Faktoren stelle ich dir jetzt vor:
 
 

Die 4 häufigsten Gründe dafür, dass dein Pferd nicht allein mit dir spazieren gehen will

Um eine positive Entwicklung anzustoßen, musst du positive Erfahrungen erschaffen. So weit, so klar.

Um positive Erfahrungen zu schaffen, musst du Aufgaben so gestalten, dass dein Pferd darin ein angenehmes Empfinden entwickelt.

Damit du das Spazierengehen entsprechend gestalten kannst, musst du erstmal verstehen, was positiven Empfindungen auf Seiten deines Pferdes im Weg steht ⛰. Und die Aufgabe so angehen, dass du diese Hindernisse umgehst.
 


Ach ja: Falls Angst auf deiner Seite ein Problem ist (auch damit bist du ganz und gar nicht allein!), ist dieser Artikel für dich 🤍:

Drei gute Seiten an der Angst vor dem Pferd, über die niemand spricht


 
 

Faktor 1: Gefühl, in der Situation gefangen zu sein

Haben Pferde einfach Angst, wenn sie allein mit dem Menschen die Herde verlassen sollen?

Ich möchte diese Empfindung unserer Pferde gern konkretisieren:

Ja, die negative Empfindung (Nervosität, Stress, Angst) hat damit zu tun, dass der Schutz durch andere Pferde fehlt.

Es kommt aber ein Faktor hinzu, der das negative Gefühl deines Pferdes extrem verstärkt:

Das Gefühl in der Situation gefangen zu sein. Nicht umkehren, die Situation verlassen oder flüchten zu können.

Angst spielt eine große Rolle. Angst kann dein Pferd aber durch Selbstvertrauen und Neugier überwinden. Dazu können wir unsere Pferde ermutigen (wie das praktisch geht, besprechen wir ein andermal).

Das Gefühl gefangen zu sein, lässt sich aber nicht durch Ermutigung beeinflussen.
 

Damit dein Pferd sich in der Situation sicherer fühlt, muss es möglichst frei agieren können!

 
Das ist draußen natürlich nur eingeschränkt möglich. Deshalb müsst ihr als Einheit handeln (wie eine Mini-Herde):

Du erkennst, welche Bedürfnisse dein Pferd hat und reagierst entsprechend. Dadurch öffnest du ständig Räume, in denen dein Pferd kleine Momente der Verbundenheit und des Selbstwirksamkeit erlebt.

Für gewöhnlich machen Pferdemenschen folgenden Denkfehler:

Wir lernen, dass wir uns durchsetzen müssen. Ansonsten gewinnt das Pferd, verliert jeglichen Respekt und wird sich beim Menschen niemals sicher fühlen.

Und ja, wenn du dich nicht durchsetzt, bekommst du kein gehorsames Pferd.

Du bekommst ein ehrliches Pferd. Ein Pferd, dass dir 1:1 zeigt, was in ihm vorgeht.

Damit kannst du konstruktiv umgehen – aber eben nicht, indem du das Verhalten deines Pferdes zwanghaft kontrollierst, sondern indem du es lenkst. Dadurch, dass du Räume bewusst öffnest und schließt.
 
 

Faktor 2: Kontrollzwang des Menschen

Das Gefühl, gefangen zu sein, lösen wir selbst im Pferd aus.

Wenn du fürchtest, dass dein Pferd gefährliches Verhalten zeigen könnte, möchtest du es kontrollieren.

Wenn du Angst hast, dass dein Pferd heftig reagieren könnte, fasst du den Strick kürzer. Du versuchst, das Verhalten deines Pferdes schnell zu unterbinden. Bald wirst du jeden Schritt deines Pferdes kontrollieren wollen.

Gleichzeitig ist dein Pferd ein Fluchttier:

Es will die Umgebung stets im Blick behalten und sich schnell aus Gefahrenzonen bringen. Das geht nicht, wenn du es eng festhältst.

🧚 Ein Selbstexperiment:

Stell dir vor, jemand würde dir einen Riemen um den Kopf binden und jeden deiner Schritte kontrollieren. Und zwar nicht in deinem Wohnzimmer, sondern in einem Gruselkabinett. Diese Vorstellung hilft, ein besserer Spaziergeh-Partner für sein Pferd zu werden.

Du erweist dich nicht als guter Spaziergeh-Partner, wenn du deinem Pferd nur vorschreibst, was es alles unterlassen soll. Aus Sicht deines Pferdes ist es draußen wirklich gefährlich! Wenn deine Adleraugen dein Pferd durchgehend verfolgen, bekommt es den Eindruck, du würdest davon nichts mitbekommen.

Durch Kontrollzwang wirst du für dein Pferd zu einem Hindernis. In einer Extremsituation wird es nun wirklich gefährlich:

Dein Pferd sieht dich als Ballast, den es loswerden muss, um der Gefahr entkommen zu können.

Du BIST natürlich nicht die Gefahr. Aber du hinderst dein Pferd daran, mit der Gefahr fertigzuwerden.
 
 

Faktor 3: Ständige Auseinandersetzungen

Auf Spaziergängen haben Pferd und Mensch unterschiedliche Ziele:

Du willst einfach eine Runde entspannt (vorwärts) gehen. Dein Pferd will zum Gras, stehen bleiben, sich alles genau anschauen, mitten durchs Unterholz…

All das sind Momente, in denen dein innerer Kontrollzwerg eingreift 😠. Was passiert?

Du sagst nur noch „Nein“ zu deinem Pferd. Dadurch verliert dein Pferd immer mehr die Motivation, überhaupt mit dir rauszugehen. Wieso sollte es seine Angst überwinden und Mut und Neugier entwickeln, wenn es draußen nichts tun darf, worauf es Lust hat?

Ihr befindet euch in einem Kampf.
 

Diese kleinen und großen Streits sind auch für dein Pferd unangenehm. Denn Pferde sind soziale Wesen.

 
Diesen Kampf musst du also auflösen, wenn du Spaziergänge zu einer positiven Erfahrung für dein Pferd machen willst. Finde einen Weg, wie ihr miteinander kooperieren könnt.

Das Ziel:

Du möchtest so häufig wie möglich Ja zu deinem Pferd sagen können 🌿.

Damit kannst du dein Pferd erstmal wieder für dich und eure Interaktion öffnen. Die Motivation wiederherstellen, deiner Idee vom Hof zu gehen überhaupt eine Chance zu geben.
 
 

Faktor 4: Unsicherheit des Menschen

Durch welches Vorgehen wird dein Pferd wohl gern mit dir auf Spaziergänge gehen? Was solltest du tun? Was bleiben lassen?…

Die Unsicherheit bezüglich des Trainingsaufbaus ist AN SICH ein Problem.

Ein entscheidender Punkt ist Routine:

Dass du dein Pferd regelmäßig mit unbekannten Reizen und neuen Umgebungen konfrontierst. So kann es sich an diese Situation ein Stück weit gewöhnen.

Unsicherheit bringt dich aber dazu, dein Vorgehen ständig zu ändern. Dadurch verunsicherst du dein Pferd. Es weiß nie, was es zu erwarten hat. Oder du vermeidest die Aufgabe ganz, weil du einfach nicht weißt, wie du es richtig machst.

Beides macht entspannte und harmonische Spaziergänge mit deinem Pferd unmöglich.
 
 

Auf einen Blick:

Das erste Teilziel besteht darin, die nächsten Übungseinheiten zum Spazierengehen zu einer positiven Erfahrung zu machen: Dein Pferd soll mit einem positiven Gefühl aus der Einheit gehen. Mit der Schlussfolgerung, dass es eine gute Idee war, mit dir mitzukommen.

Um das zu erreichen, musst du zuerst die vier Faktoren aus dem Weg räumen, die einem guten Gefühl im Weg stehen:

  1. Das Gefühl deines Pferdes, in der Situation gefangen zu sein
  2. Dein Bedürfnis, jeden Schritt deines Pferdes zu kontrollieren
  3. Den Kampf, der durch eure gegenteiligen Bedürfnisse zwischen euch entsteht
  4. Deine Unsicherheit bezüglich des Trainingsansatzes

Im nächsten Beitrag zu diesem Thema widmen wir uns der Frage, wie du die allerersten Übungseinheiten zum Spazierengehen zu einer positiven Erfahrung machen kannst.
 
 

Sollen wir das Problem gemeinsam lösen?

Wenn dein Pferd bald Spaß an Spaziergängen haben soll, brauchst du einen glasklaren Trainingsansatz.

Einen Ansatz, der die Bedürfnisse deines Pferdes einbezieht.
Der für einen feine Kommunikation sorgt.

Und der DIR und DEINEM Pferd die innere Entwicklung ermöglicht, die ihr braucht, um entspannt und harmonisch im Gelände unterwegs zu sein.

Diesen Trainingsplan können wir im Rahmen eines Klarheitsgespräch erarbeiten 🌿.
 

Hier erfährst du mehr über das Klarheitsgespräch 🤍.

 

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