Was du tun kannst, wenn es dir zu schlecht geht, um gut für dein Pferd da zu sein

 In Achtsamkeit, Bewusstes Menschsein, Emotionen, mit mir im dialog, Persönliche Entwicklung, Selbstliebe

Du willst ein besserer Mensch für dein Pferd werden. Du willst ihm mit Achtsamkeit begegnen, sein Nein respektieren, es sanft behandeln, auch wenn es dazu manchmal einem liebevoll gesteckten Rahmen bedarf. Du bist bereit zurückzustecken und dich zusammenzureißen und für dein Pferd noch ein bisschen stärker und mutiger und lockerer und immerzu da zu sein.

Aber es ist auch nicht leicht.

Es ist nicht leicht, unter den eigenen strengen Blicken und all den widersprüchlichen Meinungen und den Fragen, die dir keiner beantworten kann. Im Alltagsstress, mit Gesundheitssorgen und den Gedanken noch bei der letzten Einheit, die schon wieder alles andere als harmonisch verlaufen ist.

Ich möchte dir heute einen Gedanken mitgeben:

Du darfst für dich selbst da sein, noch bevor du für irgendjemanden anderen da bist.

Du darfst dich darin üben, an deiner eigenen Seite zu stehen, an dich zu glauben und für dich einzustehen.

Dieses Bild entstand, als es mir nicht besonders gut ging. Eigentlich fehlte mir gänzlich die Motivation, etwas mit Nathan zu machen. Also durfte er mich einfach ein wenig aufmuntern als ich ihn auf der Weide besucht habe.

 

Weshalb es im Umgang mit Pferden wichtig ist, gut für sich selbst zu sorgen

Wir brauchen ein gewisses Maß an Gelassenheit, an Ausgeglichenheit und Balance in uns selbst, um uns gut um andere kümmern zu können. Im Umgang mit Pferden ist es stetig unsere Aufgabe, kleine und große Kompromisse zu finden, manchmal wenig spaßige Aufgaben gemeinsam zu bewältigen und unseren Pferden auch auf emotionaler und mentaler Ebene gerecht zu werden.

Das alles geht auch, wenn es uns grundlegend schlecht geht. Du kannst dich zusammenreißen. Du kannst deinem Pferd gegenüber genauso eine Maske aufsetzen, wie du sie im restlichen Alltag trägst (nur wird es eher dahinter sehen können als andere Menschen). Aber irgendwann wirst du ans Ende deiner Kräfte kommen. Und im Zusammensein mit Pferden scheint dieses Ende deutlich schneller näher zu rücken als in vielen anderen Lebensbereichen.

Es ist weniger leicht, Pferden – die uns so echt und ungestellt gegenübertreten – dauerhaft etwas vorzuspielen. Es ist weniger leicht, vor ihnen so zu tun als ob. Als hättest du auch nur eine Sekunde länger Geduld, als ginge es dir gut, als würdest du nicht diese Last auf deinen Schultern mit dir herumschleppen.

Es geht. Das beweisen wir alle immer wieder. Aber das ist nicht der Punkt.

Der Punkt ist: Das ist nicht Sinn der Sache.

Wir verbringen unsere kostbare freie Zeit nicht mit Pferden, um noch einen Lebensbereich zu erschaffen, in dem wir nicht wir selbst sein dürfen. In dem wir uns ständig verstellen müssen.

Und du tust damit auch deinem Pferd dauerhaft keinen Gefallen. Es nimmt wahr, dass eine Kluft besteht zwischen dem, was du tust und dem, was du fühlst – und es muss sich entscheiden, wie es dich interpretieren soll. Natürlich ist es nicht besser, stets so zu handeln, wie man sich fühlt, wenn das gerade bedeutet all seinen angestauten Frust am Pferd auszulassen (was du eh nicht tust, ich weiß ❤️).

Aber es ist definitiv besser, das was man tut und das was man fühlt aneinander anzugleichen.

 

Was du wissen musst, um besser für dich selbst da sein zu können

Wenn du erkannt hast, dass du eigentlich nicht ausgeglichen genug bist, um gut für dein Pferd da zu sein – und du erkannt hast, dass du zuerst für dich selbst sorgen musst – dann lauten die nächsten Fragen: Was fehlt dir? Wovon hast du zu viel?

Das kann und darf alles sein. Vielleicht wurdest du heute einmal zu viel von deinem Chef angeschnauzt. Vielleicht hast du seit Tagen keine Minute nur für dich selbst gehabt. Vielleicht wächst dir die Sorge um deine kranke Schwester über den Kopf. Oder du sehnst dich danach, einfach mal wieder ein richtiges Gespräch mit jemandem zu führen.

Manchmal ist an diesen Dingen nichts zu ändern. Manches ist einfach so, wie es ist und alles, was wir noch tun können, ist die Gefühle, die damit einhergehen, zuzulassen und die Gedanken, die wir darüber haben, zu reflektieren.

Was du aber immer tun kannst, ist herauszufinden, was die Essenz dessen ist, was du gerade brauchst.

Was liegt dahinter? Was ist unter diesem ersten Wunsch verborgen? Welches Bedürfnis steckt dahinter?

Und was kannst du jetzt gerade tun, was der Erfüllung dieses Wunsches am nächsten käme?

 

Was du in fünf Minuten für dich selbst tun kannst

Wenn du heute die Zeit hast, zu deinem Pferd zu fahren, dann hast du auch die Zeit, still und allein fünf Minuten in deinem Auto zu sitzen. Und dann hast du auch die Zeit, dir über diese Frage Gedanken zu machen. Dieses Problem zumindest gedanklich mit dir selbst zu klären.

Nimm dir einen Stift und ein Notizbuch mit und notiere dir deine Gedanken: Was liegt unter deinem ersten Wunsch verborgen? Und was kannst du jetzt gerade tun, was der Erfüllung dieses Wunsches am nächsten käme?

Nimm dich selbst ernst. Nimm ernst, dass es dir nicht gut geht. Nimm das nicht einfach so hin und versuche immer weiter irgendwie zu funktionieren.

Fünf Minuten – nur du und dieses Notizbuch. Und deine Gedanken.

Sammle Gedanken dazu, was du fünf kurzweilige Minuten lang tun kannst, damit du das bekommst, was du brauchst. Wenigstens ein ganz kleines bisschen davon.

Und vielleicht sitzt du morgen in deinem Auto. Fünf Minuten, nur du und dein Atem und die Stille. Oder du und dein Smartphone und ein paar lustige Reels. Eine Sprachnachricht an eine liebe Freundin. Ein paar Tränen, die ungesehen vergossen werden. Was auch immer es ist: So sieht es aus, für sich selbst da zu sein.

Du kannst diese fünf Minuten mit in deinen Alltag nehmen. Alles was es braucht, ist eine Erlaubnis von dir selbst.

Wie du beginnst, dich selbst zu lieben

Du musst dir erlauben, an dich zu denken. Du musst dir erlauben, dir das zu nehmen, was du brauchst – auch wenn es zugleich tausend Dinge gibt, die du anderen gerade geben musst. Gerade dann.

Niemand sonst kann das für dich tun. Niemand sonst weiß, was dir fehlt und was dir zu viel ist. Um es mit Nathaniel Brandens Worten zu sagen: „Niemand kommt, um dich zu retten.“ Das müssen wir alle jeden Tag für uns selbst tun. Manchmal im Kleinen – in fünf Minuten, in einer halben Stunde, an einem Abend. Manchmal im Großen – in einer lebensverändernden Entscheidung, in einem richtig mutigen Schritt, in einer riesigen Entwicklung.

Selbstliebe beginnt da, wo du dir erlaubst, dir selbst etwas wert zu sein. Ohne Bedingungen dafür aufzustellen.

Ich weiß, Selbstliebe ist so ein Modethema geworden. Eine weitere Pflicht. Ein weiterer Punkt auf der Liste dessen, was man tun muss, um “gut genug” zu sein. Wofür auch immer.

In diesem Blogartikel schreibt Jana darüber, warum für sie das Thema Selbstliebe außerdem nicht meint, von nun an nur noch auf sich selbst zählen zu können und dass  um Hilfe fragen  genauso ein Akt der Selbstliebe sein kann: Zu meiner Selbstliebe gehört abgeben

Aber es ist nicht nur eine leere Worthülse, die sich auf magische Weise mit Leben füllt, wenn wir uns vor den Spiegel stellen und uns einreden, wir seien schön und stark. Selbstliebe kann nur gelebt werden. Unser Denken spielt eine Rolle – aber nur ehrliche Gedanken zählen.

Wenn du gerade den schmerzhaften Gedanken hast, deinem Pferd nicht gerecht zu werden, dann hilft keine beschönigende Affirmation. In erster Linie ist es das Verständnis, das du dir selbst entgegenbringst oder verwehrst, das darüber entscheidet, wie du für dich selbst empfindest. Ob du dich ablehnst oder Zuneigung empfindest.

Zoom raus aus der Ich-Perspektive und betrachte dich von außen. Betrachte dich, wie eine Freundin dich ansehen würde. Eine Freundin, die all deine Gefühle fühlt und all deine Gedanken kennt. Was würde sie sagen?

Was würdest du dir sagen wollen?

Denn das bist du. Du bist diese Freundin. Du bist zugleich diejenige, die all das fühlt und denkt und die, die darüber urteilt, ob diese Gefühle und Gedanken und das was du tust und unterlässt gut und richtig ist oder nicht. Hinterfrage die Maßstäbe, an denen du dieses Urteil fest machst.

Hinterfrage, ob es tatsächlich dein Anspruch ist, diesem Maßstab gerecht zu werden.

 

Was du nicht vergessen darfst, wenn du dich gerade selbst nicht magst

Manchmal… Manchmal wirst du herauszoomen und nicht mögen, was du sieht. Oh je…Wie oft ich schon diesen Blick auf mich selbst geworfen und am liebsten gleich wieder weggesehen hätte. Denn manchmal gibt man nicht sein Bestes. Manchmal tut man etwas, das man besser hätte sein lassen. Dann bedeutet Selbstliebe, sich dennoch daran zu erinnern, dass das, was man gerade sieht, nicht alles ist, was man ist.

Du bist nie nur die Person, die deinem Pferd mit einer Strafe Unrecht getan hat. Du bist nie nur die Person, die das Training der letzten drei Wochen mit einer unbedachten Handlung zunichte gemacht hat. Das bist du auch. Aber nicht nur.

Selbstliebe bedeutet, das zu wissen. Selbstliebe bedeutet, nicht die Augen davor zu verschließen, dass du immer beides bist. Dunkelheit und Licht. Besonnen und impulsiv. Stark und schwach.

Dass du Fehler machst, bedeutet nicht, dass du fehlerhaft bist. Bedeutet nicht, dass du ein Fehler bist.

 

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Schlusswort

Für andere da sein zu können, beginnt immer bei einem selbst. Und manchmal, da bedeutet das auch, dein Pferd für dich da sein zu lassen. So wie ich letztens alles Training hab sein lassen, weil ich mich so nervös und ängstlich gefühlt habe und Nathan geduldig in der Sonne stand, während ich seinen Schweif verlesen habe und sein bester Freund mit warmen Atem in den Nacken pustete.

Morgen. Morgen ist auch noch ein Tag, um gut drauf und stark und “besser” für dein Pferd zu sein. Aber heute ist heute. Und vielleicht fängst du heute bei dir an und fragst dich:

Ganz ehrlich – Was brauche ich?

 

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Zum Weiterstöbern:

In Wie aus Erwartungen Probleme werden  erkläre ich dir, welche (problematische) Rolle Erwartungen im Zusammensein mit Pferden spielen und wie wir mit unseren Erwartungen konstruktiv umgehen können.

Wir können bewusst über uns unsere Emotionen reflektieren. Doch wie sieht es da bei dir in Bezug auf dein Pferd aus? Dass positive Verstärkung nicht unbedingt zu positiven Emotionen führt und was du tun kannst, um dieses Ziel dennoch zu erreichen zeigt dir der Blogartikel Gefühlswelten: Positive Verstärkung gleich positive Emotionen?

 

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